Hannoversch Münden

Ein geschichtsträchtiger Ort am Beginn des Weserberglandes – das ist Hannoversch Münden. Die Stadt hat rund 25.000 Einwohner und liegt im südlichen Niedersachsen an der Grenze zu Hessen. Die offizielle Schreibweise lautet heute Hann. Münden. Schon im Mittelalter waren die Bürger sehr wohlhabend und trieben Handel mit den Menschen benachbarter Regionen.

Blick von der Tillyschanze auf die Altstadt

Die Altstadt ist nicht allzu groß, enthält aber einen wertvollen Bestand an hunderten Fachwerkhäusern unterschiedlicher Stile. Die meisten davon sind sorgsam restauriert. Wenn ein Bewohner von Münden früher ein neues Haus baute, war es üblich, darauf einen frommen Spruch oder sogar seinen Namen anzubringen. Einige der Sprüche sind heute noch zu lesen. In den schmalen Straßen, die zur Fußgängerzone ausgebaut sind, herrscht eine gemütliche Atmosphäre. Geschäfte und Cafés für jeden Geschmack beleben die Szenerie. Knapp nordwestlich davon liegt die Insel Tanzwerder, wo sich Werra und Fulda zur Weser vereinigen. Von hier starten auch Schiffsfahrten wie etwa nach Kassel oder Bad Karlshafen.

Burgstraße

An der Ostseite der Stadt befindet sich der Fangenturm, auch Kronenturm genannt. Er ist mit dem Wall ein Rest der ehemaligen Stadtbefestigung. Davor liegt ein grüner, idyllischer Park mit Ruhebänken. Von hier ist es nur ein paar Schritte bis zur Burgstraße, einer besonders schönen Fachwerkstraße. Sehr repräsentativ ist die Zusammensetzung von kleinen und großen Häusern, den verschiedenen Gauben und natürlich des Fachwerks. In der Nummer 8 befindet sich die Reformierte Kirche.

Das Welfenschloss

Am Ende der Straße steht das Welfenschloss aus dem 16. Jahrhundert. Neben einem Museum wird es von der Stadt und dem Amtsgericht genutzt. Von hier führt die Marktstraße geradeaus zum Markt. Sie kreuzt die Lange Straße, die Einkaufsstraße von Hannoversch Münden ist. An der Ecke steht das Haus von Bartold Mattenberg, dem Spross einer einheimischen Ratsfamilie. Auf ihm ist der Spruch geschrieben: „WER GOT VERTRAWT + HAT WOL GEBAWT + ANNO DOMINI + 1554 + BARTOLD + MATTENBERG + STEDT VNDE BVRG MVSSEN VERGEHN + GOTTES WORT BLEIBT EWIG BESTEHN + BELIEBE GOT + VND HALT SIN GEBOET“.

Rathaus mit Häusern am Markt

Am Markt liegt das Rathaus, das noch bauliche Ursprünge im Mittelalter hat. Die Eingangspforte ist bunt bemalt und wird von Säulen mit Putten umgeben. Darüber hinaus sind das Stadtwappen, eine Inschrift und Löwenköpfe zu sehen. Dahinter steht die Sankt Blasiuskirche, mit deren Bau ebenfalls im Mittelalter begonnen wurde. An ihrer Außenseite sind einige Grabplatten angebracht.

Sankt Blasiuskirche

Die Lange Straße ist 500 Meter lang und durchzieht die Altstadt von Nord nach Süd. In der Nummer 47 steht das Haus von Christoph Mattenberg, der Kaufmann und Ratsherr und später Bürgermeister in Hannoversch Münden war. Hier ist der Spruch zu lesen: „WER + GOT + VERTRAWET + DER + HAT + WOL + GEBAWET + CHRISTOPHORVS + MATTENBERG + HAT + DIS + HVS + GEBAVET + ANNO + 1582“. Links und rechts der Straße gibt es nette Geschäfte, und wer sich eine Pause gönnen will, setzt sich vor ein Café und schaut dem Trubel zu.

Haus von Christoph Mattenberg in der Langen Straße

Am Ende der Langen Straße trifft man wieder auf die ehemalige Stadtbefestigung, zu der die Rotunde gehört. Es ist ein runder Wehrturm, dessen Inneres von außen gut zu besichtigen ist. Er ist zugleich Gefallenendenkmal und Mahnmal für die jüdischen Mitbürger der Stadt. Die vielbefahrene Kasseler Straße führt an dieser Stelle vorbei. Kurz vor der Pionierbrücke und damit schon in Sichtweite steht der Hagelturm, der das Museum für Arbeit beherbergt. Über eine Grünanlage hinter der Rotunde kommt man zur Sankt Aegidienkirche. Sie wird heute von einem Café genutzt. Im Außenbereich sind historische Grabplatten zu sehen.

Die Rotunde

Wo man auch hingeht in Hannoversch Mündens Altstadt, man wird immer wieder auf interessante Orte treffen. Die Häuser erzählen Geschichten, und man kann in ihnen lesen wie in einem Buch. Jede Straße, die man betritt, vermittelt dem Besucher einen anderen Eindruck. An der Werra gibt es noch die Schlagden, wo früher Waren umgesetzt wurden. Der großzügige Packhof steht an der Bremer Schlagd und ist heute ein Hotel und Café. Südlich davon liegt die Kasseler Schlagd, östlich bis zur Alten Werrabrücke die Bremer Schlagd.

Bremer Schlagd mit Packhof

In der Lohstraße 15 wohnte der junge Erwin Proskauer, ein jüdischer Einwohner, der 1939 von SA-Männern in seiner Wohnung überfallen und gezwungen wurde, in die Werra zu springen. Seine Wohnung wurde verwüstet, er selbst kam ums Leben. Eine Gedenktafel erinnert an diese Begebenheit.

Haus von Erwin Proskauer

Am Ende der Mühlenstraße gibt es bei den Schlagden eine ansehnliche Holzbrücke. Über eine kleine Insel gelangt man zur Insel Tanzwerder, einem beliebten Ausflugsziel. Sie wird von Werra und Fulda umflossen und steht ganz im Zeichen des Wassers. Auf ihr gibt es auch einen größeren Parkplatz. Der Weg führt von hier zum 1899 errichteten Weserstein. An dieser Stelle bildet sich die Weser. Schiffsfahrten ins Weserbergland starten direkt nebenan. Es gibt auch noch eine zweite Anlegestelle beim Eduard-Wüstenfeld-Weg, der mehr südlich an der Kasseler Straße liegt.

Der Weserstein

Nur für Schwindelfreie ist die Hängebrücke von der Insel Tanzwerder zum Fischerweg geeignet. Kinder haben sicherlich auch großen Spaß daran, die Brücke in Bewegung zu bringen. Hinter dem Fischerweg verläuft die Bundesstraße 3. Man kann sie leicht über eine Fußgängerampel queren. Ein Spaziergang lohnt sich, denn auf diese Weise kommt man zur hoch über der Stadt gelegenen Tillyschanze, einem Aussichtsturm mit Gartenwirtschaft. Ab der Ampel ist der Weg ausgeschildert. Man läuft einfach noch durch den Wald. Die Tillyschanze gehört selbst schon zu Hessen, worauf ein Grenzstein am Wegesrand hinweist.

Die Hängebrücke von der Insel Tanzwerder aus

Der Aussichtsturm wurde bereits im 19. Jahrhundert erbaut. Wunderschön ist der Blick auf die gesamte Altstadt mit der Sankt Blasiuskirche und dem Welfenschloss als herausragende Gebäude. Sehr gut lässt sich auch die städtebauliche Entwicklung verfolgen, wenn man die Wohngebiete, die an den Hängen gewachsen sind, betrachtet. Rund um den Turm ist ein Garten mit historischen Steinmetzarbeiten angelegt. Im Wald links hinter der Gaststätte befindet sich ein Erdwall aus dem Dreißigjährigen Krieg.

Die Tillyschanze

Hannoversch Münden ist über die A 7 gut erreichbar. Das Autobahndreieck mit der A 38 Richtung Leipzig ist nicht weit weg. In der Stadt treffen mehrere Bundesstraßen aufeinander, unter anderem die B 3. Kassel ist etwa 25 Kilometer, Göttingen 30 Kilometer entfernt. Nahverkehrszüge verkehren in diese Städte sowie nach Erfurt und Halle (Saale).