trivago.de - Europas größter Hotelpreisvergleich mit über 500.000 Hotels
Linktausch und Zusammenarbeit immer willkommen. Schreiben Sie mir. info (at) deutschland-ferien.com.

In Beiträgen suchen

Stuttgart

Die Landeshauptstadt befindet sich fast in der Mitte von Baden-Württemberg, so ideal, wie alle Hauptstädte liegen sollten. Dies ermöglicht eine optimale Anbindung an den Großraum, die Metropolregion und vielfältige Ziele im In- und Ausland. In Stuttgart laufen nicht nur zahlreiche Bundesstraßen zusammen, auch mehrere Autobahnen führen in alle Richtungen. Es gibt ein gutes Angebot an Bahnverbindungen, zu denen auch der TGV nach Paris zählt. Am südlichen Stadtrand befindet sich der Flughafen, wo Flugverbindungen in die meisten europäischen Länder vorhanden sind.

Stuttgart - Panorama mit Altem Schloss, Rathaus, Stiftskirche und Königstraße

Die Stadt soll zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts aus einem Stutengarten entstanden sein. Das Wappen ist eine schwarze säugende Stute im weißen Feld. Graf Eberhard, der Erlauchte, verlegte seine Residenz vom Rothenberg 1320 hierher, und so wuchs der Ort zur Hauptstadt. Neben der Stiftskirche stand früher das älteste Haus, das Stuthaus. Jenseits dieser Kirche liegt die alte Stadt, von der sich aufgrund der Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg nicht mehr viel erhalten hat. Einige Gebäude wurden danach auf den Wunsch der Bevölkerung wieder aufgebaut. In der umgebenden Vorstadt lebten im 19. Jahrhundert die reichen Bürger. Sie war schön, regelmäßig und höher gelegen. Alle Hauptschönheiten, neue Straßen und die ganze Umgestaltung dieser Zeit, sind König Friedrich und Wilhelm I. zu verdanken.

Stiftskirche und Fruchtkasten

Stuttgart zählte, mit Einschluss der dazu gehörigen Weiler, um 1850 über 42.000 Einwohner. Bedenkt man, dass zu Anfang des 19. Jahrhunderts kaum 18.000 Seelen, also 3/7 der späteren Bevölkerung auf die Stadt kamen, kann man den großen Zuwachs in so kurzer Zeit äußerst überraschend finden. Die Erklärung liegt in den damaligen unverkennbaren Fortschritten in materieller und sozialer Beziehung, und in der intelligenten und milden Verwaltung, da sich auch der Wohlstand in dieser Zeit bedeutend gehoben hat. Künste, Gewerbe und Fabriken waren in stetem, erfreulichem Zunehmen begriffen, darunter besonders die Schmuckhersteller. Nach allen Seiten erhoben sich schöne Vorstädte und verlängerte, breiter gebaute Straßen mit geschmackvollen Gebäuden. Die Stadttore wurden zum großen Teil ohne Zögern abgerissen. Bereits 1875 erreichte Stuttgart mit über 100.000 Einwohnern den Rang einer Großstadt. Der weitere Zuzug hielt an, Menschen aus allen Richtungen wollten hier wohnen und arbeiten. 1905 zählte man 250.000 Einwohner, und um 1950 waren es, auch dank der Flüchtlingswellen, erstmals eine halbe Million.

In der etwas verruchten Weberstraße findet man noch die Häuser aus Alt-Stuttgart

Heute hat Stuttgart um die 600.000 Einwohner und ist eine multikulturelle Metropole und Wohnort für Menschen aus allen Ländern der Welt. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund beträgt über 40%. Alle Religionen haben in der Stadt ein Zuhause gefunden. Stuttgart verfügt mit großen, weltweit bekannten Firmen über wichtige Arbeitgeber, ist aber auch Ausbildungs- und Studienort. Seit langer Zeit verehrt man hier die schönen Künste, sammelt Wertvolles in Museen und Galerien und setzt berühmten Menschen ein Denkmal. Obwohl die Stadt einem ständigen Wandel ausgesetzt ist, so ist ihre Geschichte stets präsent. In dieser landschaftlich reizvollen Umgebung wollen viele Menschen wohnen. Hier ist alles schnell erreichbar, und doch können die ganzen Vorteile einer Großstadt in Anspruch genommen werden. Die schwäbische Kultur ist nach wie vor wichtig, spielt aber oft keine große Rolle mehr. Erhalten geblieben sind die Grundwerte wie Fleiß, Sauberkeit und Bodenständigkeit.

Die Einkaufsmeile - Königstraße

Ein außerordentlich freundliches Prestige gibt es der Stadt, dass sie fast nach allen Richtungen mit grünen Hügeln begrenzt ist. Während sich an den vorderen Seiten früher meist Weinberge hinzogen, wurden diese später mit Villen bebaut, während ein Waldsaum den Hintergrund bildet. Die ganze Gegend ist ein Garten. Die Stuttgarter erholen sich nicht nur auf den Bergen, sondern auch in den zahlreichen Parkanlagen. Unter ihnen ist der Schlossgarten der bekannteste und älteste. Er reicht vom Zentrum bis nach Bad Cannstatt zum Neckarufer.

Zwei Elemente waren in der Stadt schon immer nicht so angenehm - Luft und Wasser! Im Winter liegen lang anhaltende Nebel auf dem Tal, und im Sommer stören dichte Ausdünstungen den Genuss der herrlichen Anlagen. Wer davon Erholung braucht, sollte die Höhen suchen, weshalb sich im Sommer ein Aufenthalt im schattenreichen Ludwigsburg vorziehen lässt.

Unten Stadt, oben Landschaft

Sehr viel ist für Stuttgart geschehen, aber die landschaftlichen Bedingungen verhindern großartige Planungen für die Innenstadt. Alles ist eingezwängt in diesen Kessel von hohen und nahen Bergen, der sich bloß gegen Bad Cannstatt hin öffnet in ein schmales langes Tal. Dahinter befindet sich das Neckartal nach Esslingen, das zwar stark industrialisiert ist, aber mit Weinbergen und vielen Wanderwegen einige Naturschönheiten aufweist. Stuttgart bietet, wie nur wenige Hauptstädte, die herrlichsten Spaziergänge und abwechslungsreichsten Gesichtspunkte, wenn man sich Zeit und Mühe nimmt, die Höhen zu besteigen - sie sind „herzig nett!“ Das Leben ist gut und bisweilen auch gesellig. Stuttgart war lange Zeit ein wichtiger Militärstandort und offen für Fremdenzufluss. Alles wäre optimal, wenn man von den hohen Lebenshaltungskosten und Mieten absieht. Dennoch, wer im Winter keine stark geheizten Zimmer mag, findet in Stuttgart noch verhältnismäßig angenehme Temperaturen vor.

Staatstheater im Schlossgarten, rechts oben der Fernsehturm

Der Humanist und Ritter Ulrich von Hutten (1488 - 1523), der Italien kannte, fand die Lage der Stadt vorzüglich. Land, Berge, Täler, die Früchte und den Wein, selbst Luft und Wasser schloss er mit ein, und sagte: „ipsam Stuttgardiam terrae Paradisum appellant“ Suevi, zu Deutsch: Es geit nur oi Stuagert! Der Stuttgarter ist schwer aus seiner Stadt zu bringen, und sage man, was man will, er entgegnet: „Es isch oinewäg nur oi Stuagert!“ Und sonderbar, diese Neigung zu den glücklichen Gefilden am Neckar wirkt bei längerem Aufenthalt auch auf den Zugereisten.

Stuttgart sollte eigentlich da liegen, wo sich das weit ältere Bad Cannstatt befindet, am schönen Neckar. Stattdessen entwickelte sich die Stadt am 12,8 km langen Nesenbach, der von Vaihingen aus dem Neckar zufließt. Heute allerdings nicht mehr oberirdisch, sondern in einem Kanalisationssystem. Das Lob dieses Baches hat um 1850 ein Dichter namens Heinrich, Wirt zum wilden Manne besungen. Heinrich ließ sich hierbei durch Friedrich von Matthisson (1761 - 1831) inspirieren, der den Genfersee besang, und entwickelte daraus einen Vergleich zum Nesenbach:

„Plötzlich fällt er, und Arome breiten
Sich aus seinem dicken schwarzen Schlamm,
Keine Fruchtbarkeit er zwar verbreitet,
Aber Nasen er mit Düften weidet -

und ich stehe nicht dafür, dass im Winter patriotische Stuttgarter,

die in Petersburg gewesen, meinen,
täuschend sey die Newa hier im Kleinen,

und beim Nesenbach schwören, wie die seligen Götter beim Styx.“

Die Königstraße vom Bahnhofsturm aus betrachtet

Als Ausgangspunkt einer Stuttgart-Tour ist der Hauptbahnhof zu empfehlen. Hier gibt es nicht nur die besten Verbindungen ins In- und Ausland, sondern auch gute S-Bahn-Anschlüsse in viele Städte und Orte des Großraums sowie zum Flughafen. Auch das Gebäude selbst ist eine Besichtigung wert. Der Grundstein des heutigen Hauptbahnhofs wurde vor rund 100 Jahren gelegt, und 1922 konnte der Betrieb aufgenommen werden. Die Architekten waren Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer. Das Bauwerk wurde so konzipiert, dass es sich harmonisch ins Stadtbild einfügt und eine Fortsetzung der Königstraße zum Neckartal bildet. Seit den Siebzigerjahren befindet sich eine S-Bahn-Station unter dem Hauptbahnhof. In der Haupthalle gibt es eine große Anzahl an Geschäften, Cafés und Imbissen. Der Bahnhofsturm ist 56 Meter hoch. Der Eintritt ist frei, man kann die 9 Stockwerke mit dem Lift fahren oder die Treppe benutzen. Die Aussicht ist einfach unvergleichlich, zu sehen sind Königstraße, Landtag, Planetarium, die Villenviertel, Fernsehturm und noch mehr.

Der Stuttgarter Hauptbahnhof - ein Kulturdenkmal

Die Stadtmauern wurden im 19. Jahrhundert abgetragen und der Graben in Königstraße umbenannt. Sie entwickelte sich rasch zu einer wahren Prachtstraße. Hier stand der Königliche Marstall mit einer Pferdegruppe auf der Kuppel. Sie ist bis heute Promenade und Aufenthaltsort für alle Stuttgarter und Besucher. In der Mitte liegt der Schlossplatz mit den beiden Residenzen, dem Königsbau und der Jubiläumssäule. Bis um 1920 befand sich dort auch der Hauptbahnhof. Dann nahm der jetzige Komplex am Arnulf-Klett-Platz seinen Betrieb auf. Bis um 1970 quälten sich auch noch der Autoverkehr und die Straßenbahn durch die Königstraße, bis sie komplett zur Fußgängerzone umgestaltet wurde. Seitdem wurde ein ausgedehntes Verkehrskonzept, teils mit Tunnels, für die Innenstadt entwickelt. Die Stadtbahn fährt heute unterirdisch und folgt dabei dem schnurgeraden Straßenverlauf. Nach wie vor lässt es sich in der Königstraße am besten bummeln und einkaufen. Hier sind alle denkbaren Kaufhäuser, Modeketten und Shops mit Waren aller Art versammelt. Daneben laden Cafés und Imbissbuden zu einer Stärkung für zwischendurch. Parkplätze sind in der Umgebung Mangelware, Parkhäuser sind ausgeschildert, aber sehr teuer.

Königstraße mit Blick Richtung Hauptbahnhof

Das von Herzog Carl erbaute Neue Schloss besteht aus Werksteinen und ist drei Stock hoch. Es handelt sich um ein Hauptgebäude mit zwei Flügeln. Seine gefällige Einfachheit würde noch weit schöner ins Auge fallen, wenn es etwas höher stände. Es liegt zwischen der König- und Konrad-Adenauer-Straße, zwischen der Planie und dem Schlossgarten. Das Gebäude bildet das nordöstliche Ende der Innenstadt und durch die Nähe des Alten Schlosses einen merkwürdigen Kontrast der Neuzeit zum Mittelalter. Schon im Jahr 1746 wurde der Grundstein vom Herzog selbst gelegt und unverzüglich mit dem Bau begonnen. Der Grundriss stammte von Oberbaurat und General Von Leger, der aber von den eigentlichen Erbauern, den Majoren Von Retti und Von Guepière, vielfache Veränderungen erfuhr. Im Jahr 1762 brannte der ganze rechte Flügel ab, und erst 30 Jahre danach war er wieder hergestellt. Die Vorliebe für Ludwigsburg erwies sich dem Ausbau dieses Schlosses als sehr hinderlich. Und erst 60 Jahre später sollte es in den Jahren 1805 - 1807, unter der Regierung des Königs Friedrich, vom Baumeister Thouret vollendet werden. Es besteht aus dem Hauptgebäude mit der Front gegen den großen Paradeplatz und aus zwei Flügeln, die in einem rechten Winkel an den Hauptbau anstoßen und auf die Planie und den Schlossgarten hingehen. Am Eingang befanden sich ursprünglich Darstellungen laternentragender Kinder. Diese wurden ersetzt durch die in Wasseralfingen gegossenen und für das Königstor bestimmt gewesenen Schildhalter, ein Löwe und Hirsch, jeder 7000 Pfund schwer.

Das Neue Schloss

Zur Innenausstattung bevorzugte der württembergische Herrscher geschmackvolle Werke inländischer Künstler. Der Weiße Saal erhielt Gemäldegaben von Johann Baptist Seele, Philipp Friedrich von Hetsch und Christian Gottlieb Schick. Im sogenannten Konferenzzimmer hingen die Bildnisse von Peter I., Friedrich I. und Friedrich II. Im Thronzimmer befanden sich lauter Wappen, überall auch die kostbarsten Vasen, Uhren, Leuchter, Nischen, Spiegel und Marmor, Nachahmungen von Antiken, Basreliefs und Büsten - Danneckers lieblichen Amor, und seine Büsten nicht zu vergessen. Wächter lieferte drei historische Bilder, und ein angehender Schlachtenmaler, Schnitzer, das Gefecht von Epinal und die Schlacht von Brienne, an der dieser selbst teilgenommen hatte. Das sogenannte Militärzimmer wurde mit lauter Soldatenszenen von Seele ausgestattet. Im Großen Marmorsaal hingen sieben Kronleuchter. Der Rote, Weiße, Gelbe und Blaue Marmorsaal erhielt die reichsten Seidenstoffe und kostbarsten Tapeten. Die prachtvollen Stickereien rührten zum Teil von den kunstgewandten Händen der königlichen und fürstlichen Bewohnerinnen selbst her.

Seitenflügel mit Schildhalter in Form eines Löwen

Am meisten Interesse weckten bei Kunstkennern jedoch die Fresken berühmten Joseph Anton von Gegenbaur (1800 - 1876), die Szenen aus der württembergischen Geschichte darstellten. Dieser wurde von König Wilhelm beauftragt, mehrere Salons des Schlosses mit seinen Werken zu schmücken.

Das Neue Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört und danach wieder aufgebaut. Heute ist es Sitz des Finanz- und Kulturministeriums und kann im Rahmen von Sonderführungen besichtigt werden.

Sonniger Ruheplatz im Schlossgarten

Vom Balkon des Sommersaals ergibt sich eine wunderschöne Aussicht in die Anlagen des Schlossgartens, die ganz auf diesen Standpunkt berechnet sind. Anfang des 19. Jahrhunderts lagen hier nur sumpfige Wiesen, Baum- und Krautgärten. Dieser Bereich entwickelte sich seitdem zu einem beliebten Treffpunkt der Stuttgarter Bevölkerung, einer Oase der Erholung inmitten der Hektik der Großstadt. In den Anlagen setzte sich König Friedrich mit all seinem Geist und Geschmack ein bleibendes Denkmal. Es hieß, er war in manchen Stücken seiner Tat zu groß für sein kleines Reich. Manches wäre weniger auffallend gewesen, hätte er an der Spitze einer großen Monarchie gestanden. Von daher kommt es, dass auch die Krone auf dem Schloss etwas zu groß ausgefallen ist. Friedrich lachte nur, als einer aus seiner spaßhaften Umgebung, dem er sagte: „Du sperrst ja das Maul auf, als ob du mein ganzes Reich fressen wolltest,“ erwiderte: „Da brauchte ich`s nicht so weit aufzusperren!“

Stuttgarter Staatstheater

Gleich beim Betreten des Schlossgartens fällt das bedeutende Staatstheater ins Auge, das von 1909 bis 1912 durch Max Littmann erbaut wurde. An seiner Stelle stand vorher das Königliche Hoftheater, das 1902 abbrannte. Das jetzige Opernhaus wurde 1924 unter Denkmalschutz gestellt. Daneben befindet sich das repräsentative Gebäude des Landtags von Baden-Württemberg, das 1961 nach den Plänen von Horst Linde erbaut wurde. Den Mittelpunkt bildet ein Wasserbecken, auf dem zu jeder Jahreszeit die Enten ihre Runden ziehen. Auf der anderen Seite stehen Nachbildungen antiker Statuen. Vor dem Opernhaus befinden sich neben der Schillerstatue und Plastiken der Moderne. Überall laden Bänke zu einer Ruhepause ein, und sobald es warm wird, lockern viele bunte Blumenbeete die Atmosphäre auf.

Sitz der Landesregierung - Stuttgarter Landtag

Hinter dem neuen Schloss lagen vormals die weitläufigen Akademiegebäude, die später als Nebengebäude des Hofes benutzt wurden. Hier besaß der König seine elegante Privatbibliothek mit vielen Prachtwerken. Daneben gab es auch einen Leibstall mit herrlichen Zuchthengsten. Der Haupthengst dieses Privatgestütes hatte den Namen „Sultan Mahmud“, den die Ebnersche Kunsthandlung wie einen Monarchen in Kupfer stechen ließ.

Davor befindet sich der Schlossplatz mit einem weiten Halbkreis von Kastanienalleen. Er bietet Platz zur Erholung und eine gute Rundumsicht auf die prächtigen Bauten, einschließlich Königsbau und Stiftskirche. Diesen Platz zierte früher ein Obelisk, und seit 1846 wird er durch die Jubiläumssäule geschmückt. Es ist das Denkmal zur 25jährigen Regierungsfeier des Königs Wilhelm, des Wiederherstellers der ständischen Verfassung.

Jubiläumssäule mit Königs- und Marquardtbau

Das Alte Schloss steht seitlich des jüngeren Nachfolgebaus. Seine Ursprünge reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück, als es Sitz der Grafen von Württemberg wurde. Ab 1553 entstand ein prachtvolles Renaissanceschloss mit Innenhof, der von italienisch inspirierten Arkaden geprägt wird. Es wurde von dem Herzog Christoph und seinem Nachfolger Ludwig erbaut und gleicht jenen alten stolzen Ritterburgen, die man ansonsten nur auf hohen Bergen sieht. Seitdem der Bärengraben aufgefüllt wurde, steht ein Viertel der Burg unter der Erde. So altertümlich und ritterlich das Äußere des Alten Schlosses ist, so wenig entspricht ihm das modernisierte Innere. Der Bau war einst Sitz für den Geheimen Rat, den Oberhofrat, die Hofküche und die Hofapotheke. Wendelstiegen, Altane, Plattformen, Ecktürmchen und die große nach oben führende Reitschnecke erinnern noch an die alte Zeit und trotzen der Gegenwart. Schon vor über 200 Jahren wurde hier das Hoftafelservice in Gold, Silber und Porzellan verwahrt. Dies waren die Anfänge einer reichhaltigen Sammlung. Heute bietet das Alte Schloss den passenden Rahmen für das Württembergische Landesmuseum, das eindrucksvoll die regionale Geschichte aus Jahrtausenden dokumentiert. Angefangen bei der Steinzeit und den Kelten, reichen die Bestände über die Römer und die Alemannen bis ins Mittelalter und den kunstvollen Werken der Renaissance und des Barock. Allein für den Besuch dieser Einrichtung lohnt es sich, nach Stuttgart zu kommen.

Das Alte Schloss

Anliegend zur Königstraße erstreckt sich der markante Königsbau mit seinem Säulengang. Im Auftrag von König Wilhelm I. wurde er 1860 fertig gestellt. Ende der Neunzigerjahre hatte hier die Stuttgarter Börse ihren Sitz, danach wurde das Gebäude umgestaltet. Heute dient es unter dem Namen „Königsbau-Passagen“ dem Einzelhandel und der Geschäftswelt.

Königsbau mit Säulengang

Auf dem Schillerplatz befinden sich das Schillerdenkmal und die sehenswerten Gebäude des Fruchtkastens, daneben die Alte Kanzlei und das Justizministerium. Der Fruchtkasten ist eines der ältesten erhaltenen Bauten und verfügt über eine Renaissancefassade. In ihm ist die Musikinstrumentensammlung des Landesmuseums untergebracht. Der Schillerplatz bietet alljährlich die passende Umgebung für den Stuttgarter Weihnachtsmarkt.

Fruchtkasten

Die seitlich gelegene Stiftskirche besitzt sehenswerte Grabmäler der Regenten, selbst noch der alten Beutelsbacher. Das älteste darunter ist das von Ulrich, dem Stifter und seiner Gemahlin Agnes aus dem Jahre 1265. Die berühmte Orgel von Zwiefalten wurde beim Bombenangriff von 1944, wie die gesamte Kirche, zerstört. Nach dem Krieg folgte der behutsame Wiederaufbau, der aber bloß noch einen ansatzweisen Eindruck von der ehemaligen Schönheit vermittelt. Die Stiftskirche verdankt Namen und Ursprung dem ehemaligen Stifte zum Heiligen Kreuz, das im Jahr 1321 von Beutelsbach, der alten Residenz der Württemberger, hierher verlegt wurde. Da sie bloß aus Holz und so schlecht erbaut war, dass ein Teil im Jahr 1419 einstürzte, begann man den neuen, solideren Aufbau im gotischen Stil. Vollendet wurde das Werk aber, wegen Mangels an Geld, erst 1531. Die berühmte große Zwiefalter Orgel hatte ihren Platz am Ende des Schiffs, welches aus einem dreifachen, von zwei Säulenreihen getragenen Gewölbe besteht. Der Turm war einst das Gefängnis für sträfliche Prediger und unter dem Namen „die Bibel“ bekannt. Die Kirche verfügt über 11 Glocken, wovon einige nur zu besonderen Anlässen geläutet werden. Ursprünglich betrug das Fassungsvermögen des Gotteshauses rund 6000 Personen.

Weihnachtsmarkt vor der Stiftskirche

In der alten Sankt Leonhardskirche fand 1522 der Humanist Johannes Reuchlin seine letzte Ruhe. Die Hospitalkirche besaß ursprünglich Gemälde des Apostel Paulus und gegenüber des Heiligen Dominikus, seit 1888 gibt es dort die Kreuzigungsgruppe von Hans Seyfer aus der Zeit um 1500 zu sehen. Das kolossale Modell des Danneckerschen Christus ist im Chor aufgestellt. Die geschmackvollste Kirche, die König Friedrich erbaute, war die katholische Domkirche Sankt Eberhard. Erst nach 1806 erhielten Katholiken in Württemberg den königlichen Schutz. Wie andere Gotteshäuser der Innenstadt, wurde sie im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach wieder aufgebaut. Schon um 1850 gab es auch eine griechische Kirche. Zudem wurde anglikanischer Gottesdienst abgehalten, um die vielen kirchlich gesinnten englischen Familien, die sich besonders in den Bädern aufhielten, auch in dieser Hinsicht zu befriedigen.

Katholische Domkirche Sankt Eberhard

Das alte Rathaus am Markt ging im Bombenhagel unter. Der Nachfolgebau von 1956 ist schlicht, zweckmäßig und zählt trotzdem zu den Wahrzeichen der Stadt. Ein Überbleibsel ist noch die Figur der Stuttgardia, die weiterhin vom Gebäude auf den Vorbeigehenden herunterschaut. Der markante Uhrenturm ist über 60 Meter hoch. Wie das Rathaus, so ist auch der Marktplatz vom Stil der Fünfzigerjahre geprägt. Von der Altstadt hat sich nicht mehr viel erhalten. Auffallend sind sie dennoch, die bunt gefärbten Häuser, die wie aus einem Guss zu sein scheinen.

Stuttgarter Rathaus

Eine Reihe von weiteren Sehenswürdigkeiten befindet sich außerhalb der Innenstadt. Zu ihnen gehört der Stuttgarter Fernsehturm, 216 Meter hoch und 1954 / 55 erbaut. Er gilt als modernes Wahrzeichen von Stuttgart und dient bis heute der Übertragung von Sendeformaten, allerdings nur noch dem Hörfunk. Sein Standort liegt auf über 480 m ü. NN. im Stadtteil Degerloch. Außer der Nutzung durch den SWR kommt ihm die Bedeutung als Ausflugsziel zugute. Zu den Besonderheiten zählen das Turmcafé mit Restaurant und die zwei Aussichtsplattformen. Von dort hat der Besucher ein Panorama auf Stuttgart, die Schwäbische und den Schwarzwald, bei klarer Sicht sogar bis zu den Alpen.

Stuttgart mit der Bahn entdecken

Ganz besonders lohnt sich ein Besuch im Norden der Stadt, rund um den Killesberg. Das Haus Heuss steht in Halbhöhenlage am Feuerbacher Weg. Hier lebte der ehemalige Bundespräsident von 1959 bis zu seinem Tod im Jahre 1963. Seit 2002 beherbergt es ein Museum, das die Wohnräume, Lebensstil und persönliche Gegenstände von Heuss zeigt. Der Ausblick reicht über das Neckartal, zum Gaisburger Gaskessel hinüber auf den Schurwald und nach Kernen mit dem Remstal. Anliegend gibt es die Gebäude der Diplomatensiedlung, die von der Stadt mit dem Paul-Bonatz-Preis ausgezeichnet wurden. Sie sind hangabwärts gebaut und bunt getüncht.


Haus Heuss am Killesberg 1959

Die Bauhaussiedlung am Weißenhof wurde 1927 unter Leitung des Architekten Mies van der Rohe erbaut. Sie ist ein herausragendes Beispiel des Neuen Bauens und lockt Besucher aus aller Welt nach Stuttgart. An diesem Ensemble beteiligt waren darüber hinaus führende Architekten der damaligen Zeit, wie Le Corbusier, Walter Gropius, Hans Scharoun, Adolf Gustav Schneck sowie Bruno und Max Taut. Nicht nur die äußere Erscheinung mutet heute noch futuristisch an, auch die Innenräume wurden mit modernstem Mobiliar ausgestattet. Die meisten Straßenzüge wirken wie zur Zeit ihrer Entstehung, obgleich die Siedlung im Krieg bombardiert wurde und dadurch Gebäude wieder verschwunden sind. Doch überall ist das Bauhausflair präsent. Eine Besichtigung der Weißenhofsiedlung ist unvergleichlich, denn ähnliche Exemplare findet man sonst nur in Dessau, dem Ursprungsort der Bewegung. Es wurden Informationsräume eingerichtet, wo sich der Besucher Material abholen kann. Einige Häuser sind begehbar, und es gibt eine Ausstellung zur Geschichte des Weißenhofs. Lohnend ist auch der Blick vom benachbarten Park hinab in den Talkessel, sodass man versteht, warum die Siedlung gerade an dieser Stelle angelegt wurde.


Weißenhofsiedlung, Rathenaustraße

Unweit davon befindet sich der 50 Hektar große Höhenpark Killesberg. Hier erholen sich die Großstädter, gehen spazieren, fahren mit der Parkeisenbahn oder gönnen sich zwischen den Blumenbeeten eine Pause. Ausflugslokale laden zum Verweilen ein. Zahlreiche Plastiken schmücken die Wege im Park. In einem Gehege kann man Ponys, Esel, Lamas und andere Tiere erleben. Die Hauptattraktion ist der über 40 Meter hohe Aussichtsturm, der am 17. Juli 2001 eingeweiht wurde. Er war ein Geschenk des Verschönerungsvereins anlässlich des 140-jährigen Jubiläums an die Bürger der Stadt. Großzügige Spenden konnten das moderne Bauwerk ermöglichen. Über mehrere Stahltreppen gelangt der Besucher zu der 31 Meter hoch gelegenen Aussichtsplattform. Hier hat man einen herrlichen Ausblick ins Tal, auf die umgebenden Hänge mit ihrer Villenbebauung und insbesondere den Norden der Stadt Stuttgart. Der Turm wackelt beim Hinaufgehen leicht. Der Eintritt kostet 50 Cent und wird bar in eine Kasse geworfen.

Höhenpark Killesberg mit Aussichtsturm

Viel literarischer Verkehr herrscht seit jeher in der Hauptstadt - schon 1670 gab es hier eine Buchhandlung und erst 1712 ein Kaffeehaus und Kartoffelanbau. 1850 waren es rund 38 Buchhandlungen, darunter die bekanntesten Namen Hallberger, Cotta, Hoffmann, Metzler und Erhard. Stuttgart rivalisierte mit Leipzig und Berlin in literarischem Verkehr, war bereits der Hauptstapelplatz des süddeutschen Buchhandels und avancierte mit dem Sitz einer süddeutschen Buchhändlermesse. In keiner deutschen Stadt gleicher Größe wurde so viel gedruckt wie in Stuttgart. Bis heute gibt es eine nicht zu verachtende Anzahl an gut sortierten Bibliotheken, Antiquariaten und Verlagen.

Erinnerung an das alte Stuttgart

Die Gasthöfe und Kaffeehäuser Stuttgarts standen früher in dem Ruf, sich mit den besten in der Schweiz und in den Rheingegenden kühn messen zu dürfen. Ähnlich wie München, ist die Stadt mit lauschigen Biergärten gesegnet. Das Publikum hat hier eine große Auswahl an schwäbischen und internationalen Spezialitäten, im Falle der Topadressen sicherlich nicht immer günstig. Überhaupt geht es in der Stadt höchst lebendig zu. Die Atmosphäre ist einem stetigen Wandel ausgesetzt, viele Menschen wandern ab und neue Gesichter ziehen zu. Und trotzdem kann Stuttgart von sich behaupten, die Grundzüge seines schwäbischen Charakters bewahrt zu haben.

Burladingen

Die Stadt Burladingen ist ein Teil der Zollernalb und mit ihrer relativ großen Gemarkung zwischen Balingen, Reutlingen und Sigmaringen gelegen. Sie besteht aus zehn Stadtteilen. Den Mittelpunkt bildet der gleichnamige Ort, wo das Flüsschen Fehla entspringt. Aus einem Dorf hervorgegangen, siedelten sich dort Textilbetriebe an, und es folgte ein Aufschwung bis in die Gegenwart. Immer noch hat hier ein namhafter Textilhersteller seinen Sitz. Der heutige Ort breitet sich entlang der Höhenzüge des sonst bewaldeten Albtraufs aus.

Auf dem Kornbühl

Die Umgebung ist teilweise noch sehr ländlich geprägt und hat sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Auf der Schwäbischen Alb gibt es in dieser Gegend große unbesiedelte Flächen, auf denen Landwirtschaft betrieben wird. Aber es gibt auch ausgedehnte Wälder, die zu kilometerweiten Wanderungen einladen. Das Netz an asphaltierten und geschotterten Wegen ist sehr gut. Entlang des Albtraufs ergeben sich gute Ausblicke auf das Unterland, zum Beispiel am Dreifürstenstein.

Burladingen ist kein touristischer Ort im klassischen Sinn. In dieser Gegend gibt es keinen Massentourismus. Aber man kann sagen, dass es auch vom nahen Sonnenbühl profitiert, das sich viel mehr auf Urlauber ausgerichtet hat. Dennoch gibt es in Burladingen und den Dörfern eine ganze Reihe an Gästehäusern, Pensionen und Ferienwohnungen. Hier muss man nicht unbedingt einen längeren Aufenthalt verbringen, vielmehr bieten sich auch Kurzausflüge aus dem Raum Stuttgart, Reutlingen / Tübingen oder eben von Sonnenbühl aus an. Welche Sehenswürdigkeiten sind es also, für die sich ein Besuch von Burladingen lohnt ?

Landschaft zwischen Melchingen und Salmendingen

Die Ruine Hohenmelchingen befindet sich südöstlich des gleichnamigen Dorfes auf der "Halde". Hierhin gelangt man über einen gut ausgebauten Fahrweg, der dann in einen Waldweg abzweigt. Die Burg wurde 1344 erstmals erwähnt, der Besitz wechselte von den Württembergern an einen Privatherren und dann zu den Werdenbergern. 1580 wird sie als "Burgstall" genannt, also als zerstörte Burg. Die Umfassungsmauer ist 240 Meter lang, wurde an vielen Stellen aber bereits abgetragen. Das Vorderhaus mit fünfeckigem Grundriss ist noch bis zum Anfang des vierten Stockwerks erhalten. Rund um den oberen Hof stehen Reste von Gebäuden mit bis zu fünf bis sechs Metern Mauerhöhe. Fenster- und Türaussparungen sind noch erhalten. In einer Ecke befindet sich der Brunnen. Der zehn Meter breite Burggraben hat sicherlich schon bessere Zeiten gesehen, doch immerhin ist er auch heute noch drei bis vier Meter tief.

Ruine Hohenmelchingen

Schon von weither zu sehen ist der Windpark. Er befindet sich auf dem Himmelberg bei Melchingen. Schon 1995 wurden hier drei Windkraftanlagen vom Typ Micon M1500-600 errichtet. Sie waren damit die Pioniere und zugleich Vorbild für weitere Anlagen. Der Besucher kann hier nicht nur die Windräder betrachten, sondern sich auf einer Tafel auch über technische Details und die aktuellen Antriebswerte informieren. Darüber hinaus lohnt sich der Blick vom Himmelberg ins Tal, Richtung Melchingen, Salmendingen und über die Albhochfläche bis zum Trauf.

Moderne Energiegewinnung am Windpark Himmelberg

Die katholische Pfarrkirche Sankt Michael überragt den Ortskern von Salmendingen, da sie erhöht an einem Hang steht. Sie wurde um 1750 von Hofpalier Franz Singer im Barock-Stil erbaut. Wie damals üblich, ist der Innenraum reich an sakraler Kunst. Fresken und Skulpturen sowie Deckengemälde befinden sich darunter. Franz Joseph Spiegler aus Riedlingen, der bedeutendste Maler des schwäbischen Barock, malte die Bilder der Seitenaltäre. Seit 2002 ist hier auch Inventar der St.- Anna-Kapelle auf dem Kornbühl zu sehen. Im Außenbereich steht ein alter Grabstein als Andenken an den Erbauer der Kirche, Matthäus Werner von Fürstenberg. Sehenswert ist auch der blumengeschmückte Dorfbrunnen mit dem Bildnis des Heiligen Nepomuk an der Kreuzung St.-Nepomuk-Straße / Schweizergasse.

Sankt Michaelskirche in Salmendingen

Beim Dorf Salmendingen ist der Kornbühl gelegen, eine Kuppe inmitten der Alblandschaft mit 886 m ü.NN. Auf ihm steht die bekannte Salmendinger Kapelle. Am Weg auf den Gipfel kommt der Besucher an Fensterkästen mit christlichen Darstellungen der Kreuzigung Jesu vorbei. Von oben ergibt sich eine gute Aussicht über die umgebende Landschaft, die Dörfer und ins Tal Richtung Mössingen und Tübingen. Hier tritt die Weißjuraschicht am höchsten zu Tage. Um den Kornbühl herum führen schöne Wanderwege, ins Laucherttal und nach Burladingen. Diese kann man auch von Sonnenbühl aus erkunden.

Die Salmendinger Kapelle

Darüber hinaus bietet sich Naturfreunden nach schneereichen Wintern ein ganz besonderer Genuss. Gegenüber dem Kornbühl befindet sich eine Senke, die sich dann mit Schmelzwasser vom Schnee füllt. Auf diese Weise entsteht ein See, der Märzenbrunnen genannt wird. Mit einem durchaus beträchtlichem Ausmaß, kann er auf den Wegen umgangen werden. Er wird von kleinen Zuflüssen gespeist und bleibt nur wenige Wochen, bis sein Wasser wieder im Ackerboden verschwindet. Die Zufahrt für den Kraftverkehr ist nicht erlaubt, Besucher können das Auto beim Wanderparkplatz am Kornbühl stehen lassen.

Märzenbrunnen mit Kornbühl

Ebenfalls von dort aus lässt sich eine ausgedehnte Wanderung gestalten. Vom Parkplatz an der Straße nach Ringingen läuft man in westlicher Richtung übers freie Feld, oder fährt noch ein Stück weiter nach hinten zum Wald. Als Zielpunkt dieser Wanderung erreicht man den Dreifürstenstein, welcher der Hausberg der Stadt Mössingen ist. Mit 854 m ü.NN. ist er der höchste Berg des Landkreises Tübingen. Er fällt nach drei Seiten steil ab und war bis 1806 das Dreiländereck zwischen den Territorien des Herzogtumes Württemberg, Fürstentums Hohenzollern und Fürstentums Fürstenberg. Heute grenzen hier der Zollernalbkreis und der Landkreis Tübingen sowie die drei Städte Hechingen, Burladingen und Mössingen aneinander. Im Wald gibt es entlang des Weges noch zahlreiche Grenzsteine. Auf dem Dreifürstenstein steht eine Schutzhütte mit einer Informationstafel, die auch Daten zur Geschichte und eine Landkarte enthält Darüber hinaus befindet sich hier eine Grillstelle. Der Besucher hat eine Aussicht in die hohenzollerischen Lande mit der Stammburg des preußischen Adelsgeschlechtes, zur Stadt Mössingen mit dem Steinlachtal und bei guter Wetterlage bis zu den Höhen des Schwarzwaldes.

Blick in die hohenzollerischen Lande

Die Ruine Hohenringingen wird auch Nähburg genannt und befindet sich bei dem Burladinger Ortsteil. Sie wurde erstmals 1180 erwähnt, zwei Ritter namens Dietrich und Otto wohnten hier. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg zerstört und verlassen, im Jahre 1508 als Stall erwähnt. Seit 1972 wurde sie restauriert und bietet heute wieder einen zugänglichen Burgturm. In diesen ist unter anderem das württembergische Wappen eingelassen. Die Fensteröffnungen sind mit Gittern versehen. Die Aussicht umfasst das Dorf und die weite Albhochfläche bis hinter den Kornbühl. Neben dem Turm sind auch Teile der Ringmauer und des Grabens erhalten, über den eine hölzerne Brücke führt.

Hohenringingen (Nähburg)

Zwischen Ringingen und der Stadt Burladingen steht auf einem Felsen die Ruine Ringelstein, auch Aloisschlößle genannt. Zum Besuch sollte man eine kleine Wanderung einplanen, die auch über Anstiege verfügt. An der Straße Richtung Burladingen kann man das Auto auf einem Wanderparkplatz abstellen. Die Burg wurde um 1150 erbaut und besteht lediglich aus einem Wohnturm als einziges Gebäude. Seit 1932 begann man, die Reste der Anlage zu sichern.

Ruine Ringelstein

Erhalten sind heute noch Teile des Burgturmes und des Grabens sowie Mauerreste. Es wurden zwei Tafeln angebracht, die mit geschichtlichen Hintergründen und einem Plan der Burg versehen sind. Der Weg ist nicht leicht zu finden, lediglich ein Schild im Wald deutet auf die Stelle hin. Man orientiert sich am besten mit der topografischen Wanderkarte (Freizeitkarten Baden-Württemberg, Blatt 523, Tübingen, Reutlingen), auf der die genaue Lage eingezeichnet ist.

Krauchenwies

Naturerlebnisse zwischen Donau und Bodensee

Krauchenwies ist eine ländliche Gemeinde südlich von Sigmaringen, die aus dem gleichnamigen Kernort und einigen Ortsteilen besteht. Die B 311 von Ulm über Riedlingen nach Tuttlingen zur A 81 führt durch Krauchenwies, aber ansonsten liegt diese Gegend abseits der großen Verkehrswege. Was wäre also der Grund, hierher zu kommen ?

Das Rathaus kann sich sehen lassen

Unterwegs in Krauchenwies


Im alten Ortskern steht das prachtvolle Rathaus mit Wandmalereien im Giebel. Am Gebäude befinden sich plastische Darstellungen mit den Namen der Gefallenen der Weltkriege. Direkt vor dem Rathaus wurde ein kleiner Springbrunnen angelegt. Der Platz davor ist mit einem Kreisverkehr ausgestaltet und wird auf der anderen Seite von einer großen Fachwerkscheune geziert. Darüber steht stolz die katholische Pfarrkirche, die baulich im Wesentlichen in den Fünfzigerjahren entstand. Nur der Turmaufsatz mit Zwiebeldach ist barock. Weiter vorne Richtung Hauptverkehrsstraße befindet sich noch ein hübscher Dorfbrunnen. Im ganzen Ort gibt es ansehnliche alte Gebäude, die teils einen regionaltypischen Charakter haben, teils auch baulich zum über 200 Jahre alten Schloss passen mögen. Dazu gehört der Marstall am Ortseingang, der über Verzierungen mit Pferdemotiven am Türbogen verfügt.

Der Marstall entstand in der gleichen Zeit wie das Schloss

Der Fürstliche Park


Die Hauptsehenswürdigkeit von Krauchenwies ist der 50 Hektar große Fürstliche Park. Er wurde im 19. Jahrhundert durch die Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen angelegt. Durch namhafte Landschaftsarchitekten erhielt er den Stil eines Englischen Gartens. In ihm befinden sich auch das klassizistische Schloss sowie eine bis heute durch die adlige Familie bewohnte Residenz. Verschiedene Wege führen durch den Park, der bisweilen ganz klassisch von sanften Wiesen geprägt wird. Der Besucher spaziert durch einen Wald mit hohen Bäumen und kommt an idyllischen Bachläufen mit plätschernden Wasserfällen vorbei. Ein Grab erinnert laut Aufschrift an den Heldentod eines deutschen Soldaten. Im gesamten Park laden Sitzbänke zu einer Ruhepause ein. Ein kleiner See bereichert das Ambiente.

Spaziergang durch den Fürstlichen Park

Das Schloss wurde um 1300 erstmals erwähnt und war seither im Besitz der Hohenzollern. Im Stil des Barock wurde es Ende des 18. Jahrhunderts zur heutigen Größe ausgebaut. Später erhielt es einige Umbauten sowie Elemente des frühen Klassizismus. Es diente als Residenz der Fürsten und angesehener Persönlichkeiten. Um 1900 begann eine wechselvolle Geschichte, in der das Schloss unter anderem als Arbeitslager genutzt wurde. Heute steht es unter Denkmalschutz und befindet sich noch in der Sanierungsphase.

Schloss Krauchenwies

Die Zielfinger Seen

Etwas außerhalb von Krauchenwies, nämlich an der Straße von Sigmaringen kommend, liegt der Verbund mit den Zielfinger Seen. Durch den Kiesabbau entstand diese Naturlandschaft. Am Badesee gibt es einen großen Besucherparkplatz. Ferner ist hier ein Strandbad vorhanden und am anderen Teil auch Flächen für Badende und Sonnenhungrige, die den See auf eigene Faust entdecken wollen. Hier ist die FKK-Kultur sehr beliebt. Auch ein Wanderweg führt rund um den See. Immer wieder gibt es Zugänge zum Ufer, wo man durch das Schilf Libellen und seltene Vogelarten beobachten kann.

Blick auf den Badesee

Das Strandbad befindet sich am Badesee bei Krauchenwies und wurde 1979 eröffnet. Von einem großen Parkplatz gelangt man direkt zum Eingangsbereich. Hier steht ein Kiosk mit Sitzplätzen. Auf der Liegewiese gibt es für Jeden einen Platz. Der Strandbereich besteht aus einem Sandstreifen, und das Wasser fällt relativ flach ab. Es gibt viele Freizeitmöglichkeiten wie Beachvolleyball, Tischtennis, Boule und Schach. Umkleidekabinen sowie ein Nichtschwimmerbereich stehen zur Verfügung. Bei schönem Wetter ist das Strandbad den ganzen Tag über geöffnet.

Strandbad Krauchenwies

Das Naturschutzgebiet Zielfinger Vogelsee umfasst fast 50 Hektar und liegt auf der östlichen Seite des Badesees. Hier lassen sich seltene Vogelarten beobachten. Hecken, Schilf und Bäume geben Schutz für eine abwechslungsreiche Tierwelt. Rund um den See führt ein ausgewiesener Wanderweg. Gleich zu Beginn kann sich der Besucher auf einer großen Schautafel über Geografie, Geschichte und den Sinn des Naturschutzgebietes informieren. Schöne Aussichten und die ruhige Atmosphäre am Rande des Waldes machen den Rundgang zu einem echten Erlebnis.

Libelle im Naturschutzgebiet

Zwenkau

Das Leipziger Neuseenland, eine Gegend, die in den letzten hundert Jahren ständig im Wandel war. Hier befindet sich die Stadt Zwenkau. Dieser Ort ist seit Jahrtausenden von Menschen besiedelt, Funde reichen von der Frühzeit über Germanen, die Römerzeit und Slawen bis hin ins Mittelalter. Unter dem Schutz einer Burg konnte sich die kleine Stadt mit ein paar hundert Einwohnern entwickeln.

Blick von der Kirche auf die Umgebung

Später lebten die Leute als Handwerker oder vom Handel. Berufszweige waren in etwa die Textilverarbeitung (Wollkämmerer, Schneider), Korbmacher, Schmiede, Tischler und Maurer, aber auch Bäcker, Gastwirte und Apotheker waren in der Stadt zu Hause. Krämer sorgten für die Verteilung von Waren an die Kundschaft von außerhalb. Die Menschen, selbst ein Stadtrichter, konnten gleichzeitig mehrere Berufe haben oder diese im Laufe ihres Lebens ändern.

Ende des 18. Jahrhunderts existierten Bezeichnungen für Wohnplätze „In der Vorstadt“ und „Auf dem Berge“. Die Orte Kotzschbar und Imnitz waren eigenständig. Es gab eigene Bezeichnungen für die Bürgerschaft, mit der bestimmte Rechte und Pflichten verbunden waren. Ansonsten wurden hier wohnende Menschen auch nur als „Einwohner“, „Nachbar“ oder „Hausbesitzer“ genannt.

Altes Rathaus und Ratskeller,
ehemals auch Konzert- und Ballhaus


Nach 1900 wurde in der Umgebung Braunkohle gewonnen. Dies schuf Arbeitsplätze, zerstörte aber unwiederbringlich immer mehr Land. Die Verbindung nach Leipzig wurde unterbrochen, das Waldgebiet Harth zerstört, Dörfer verschwanden. Nach der Stilllegung des Tagebaus erfuhr die Stadt einen stetigen Aufschwung. Die Häuser konnten saniert, die Landschaft rekultiviert werden. Mehrere Dörfer wurden nach und nach eingemeindet. Mit dem Zwenkauer See entsteht rund um die Stadt ein Erholungsgebiet, das für dauerhafte Perspektiven garantiert. Schon heute lohnt sich der Besuch von Zwenkau.

Sehenswürdigkeiten in der Stadt

Das Rathaus von Zwenkau befindet sich in einem ehemaligen Schloss. Früher gab es hier auch ein Amtsgericht. Es bildet gegenüber der Stadtkirche Sankt Laurentius einen Hauptakzent in der Stadt. Nach einem slawischen Wall entstand an dieser Stelle um 950 eine Burg, die mehrmals durch Kriege und Brände zerstört wurde. Im 19. Jahrhundert kamen ein Gefängnis und das Gerichtsamt hinzu. Um 1900 erfolgten größere Baumaßnahmen; kurz nach der Jahrtausendwende wurden Umfassungsmauer und Innenhof so gestaltet, dass heute hier Krämer- und Wochenmärkte stattfinden können.

Zwenkauer Rathaus

Die Laurentiuskirche wurde in der späten Barockzeit eingeweiht. Von damals hat sich noch viel vom Inventar erhalten. Hierzu gehören die Kreuzigungsgruppe und das Abendmahlsrelief des Bildhauers Caspar Friedrich Löbelt. Die Kanzel kommt aus einer Dresdner Kirche und war ein Geschenk August des Starken. Der Taufstein wurde 1731 von Martin Krötzsch gestaltet. Zu den ältesten Stücken gehört ein Gedenkstein von 1468. Weitere Besonderheiten sind die Sakramentsnische, Grabplatten, das Bronzekruzifix, das Lesepult und die Ölbilder.

Laurentiuskirche

Für Freunde moderner Architektur empfiehlt sich der Besuch des Haus Rabe in der Friedrich-Ebert-Straße 26. Es wurde 1930 im Bauhausstil erbaut. Die Architekten waren Adolf Rading und Oskar Schlemmer. Ähnlich wie bei den Mustersiedlungen in Dessau und Stuttgart handelt es sich hierbei um einen für die damalige Zeit revolutionären Baustil. In zahlreichen Publikationen ist dieses Gebäude erwähnt und abgebildet. Bewohnt wurde es von der jüdischen Familie Rabe. In den Jahren 1995 und 1996 fand eine Sanierung statt. Das Innere weist zahlreiche Fresken, Installationen und Wandmalereien von Oskar Schlemmer auf. Das Gebäude wird heute durch Förderer des Bauhauses privat genutzt, kann jedoch von außen besichtigt werden.

Haus Rabe

Angrenzend an das Gelände der Helios Klinik steht der 1904 erbaute Wasserturm. Er gilt als Kulturdenkmal. Das Wasser wird von der Elbaue-Ostharz GmbH eingespeist. Die Höhe des aus gelbem Klinker gemauerten Gebäudes beträgt 47 Meter. Das Fassungsvermögen beträgt 300 Kubikmeter, und 2004 wurde der Turm generalüberholt. Er ist eines der Wahrzeichen von Zwenkau.

Der Wasserturm

Zwenkauer See

Nördlich und westlich der Stadt lag früher ein riesiger Braunkohletagebau. In ihm verschwanden die Verbindungsstraße nach Markkleeberg und Leipzig, die Eisenbahnlinie und nicht zuletzt große Teile des Erholungsgebietes Harth und die Dörfer Eythra und Bösdorf. Nach der Stilllegung entschloss man sich zur Flutung des Restlochs. So kam es zum Entstehen des Zwenkauer Sees, der mit 914 Hektar das größte Gewässer im Leipziger Neuseenland sein wird. Nicht nur das, er wird auch zu den 50 größten Seen in Deutschland gehören.

Blick vom Kap auf den Zwenkauer See

Schon heute gibt es hier das Kap Zwenkau, wo sich ein Aussichtsrestaurant mit einer Ausstellung zum Thema Braunkohleabbau befindet. Ein Hafen wurde eingerichtet, von dem aus Besucher mit dem Schiff Santa Barbara zu Rundfahrten starten können. Am Nordufer ist der Freizeitpark Belantis zu finden. Wander- und Radwege gibt es mittlerweile rund um das Ufer, so kann man von Zwenkau zum Cospudener See laufen oder radeln, und von dort aus weiter nach Leipzig oder zum Markkleeberger See. Immer wieder ergeben sich neue Aussichten auf die ehemalige Grube, die sich langsam mit Wasser füllt. Auch wenn der Uferbereich bisher nur gering rekultiviert ist, so kann man ständig Fortschritte feststellen. Ein Feriendorf und Stadthafen wird in absehbarer Zeit entstehen.

Der Zwenkauer See am Aussichtspunkt Zitzschen

Rund um Zitzschen

An der Kreuzung Ortseinfahrt Zitzschen / B 186 befindet sich ein Aussichtspunkt, der gut mit dem Auto zu erreichen ist. Hier liegt ein Wanderparkplatz, der in der Sommersaison durch einen Imbiss bewirtschaftet wird. Dem Besucher bietet sich ein Panorama über einen Großteil der Breite und Länge des Zwenkauer Sees. Man kann derzeit auch noch die Abraumhalden des ehemaligen Tagebaus erkennen. Des Weiteren verfügt der Aussichtspunkt über Informationstafeln zum Tagebau, eine Ruhemöglichkeit und eine kleine Ausstellung mit Baggerschaufeln. Das benachbarte Zitzschen ist ein Bauerndorf mit alten Häusern unterschiedlicher Baustile, wie Backstein, Fachwerk oder kompletter Putz. Den Mittelpunkt bildet eine restaurierte, im Barock gehaltene Kirche. Sie enthält eine sehenswerte Orgel der Brüder Trampeli aus dem Jahr 1795.

Dorfkirche in Zitzschen

Cospudener See

Die Streckenlänge zwischen Zwenkau und dem Cospudener See beträgt 7 Kilometer. Die Stadt Zwenkau hat mit einem Teil ihrer Gemarkung Anteil an diesem Gewässer. Dazu gehört zum einen der Weg an der Südspitze des Sees, zum anderen die Bistumshöhe, wo die drei Städte Leipzig, Markkleeberg und Zwenkau aneinander grenzen. Auf der Bistumshöhe steht ein 35 Meter hoher Aussichtsturm, der kostenfrei für Besucher zugänglich ist. Der Blick umfasst den gesamten Cospudener See, Leipzig mit MDR-Hochhaus, Turm des Neuen Rathauses und Völkerschlachtdenkmal, Grünau, die südlichen Stadtteile, Markkleeberg, die Neue Harth, den Freizeitpark Belantis, den Zwenkauer See und das Umland mit der Leipziger Neuseenlandschaft.

Blick über den Cospudener See vom Aussichtsturm Bistumshöhe, Bildmitte: Lößnig, dahinter das Völkerschlachtdenkmal, rechts der Hafen Zöbigker

Sehenswerte Dorfkirchen in Zwenkauer Ortsteilen

Die Kirche in Großdalzig ist der Stolz der Bewohner und wurde, wie oft in dieser Gegend, im Barockstil gestaltet. Der Turm stammt von 1664, das Kirchenschiff von 1776. Im Zweiten Weltkrieg büßte die Kirche ihre Glocke ein, durch eine Luftmine wurden die Fensterscheiben zerstört. Während der DDR-Zeit wurde das Gebäude laufend instand gehalten, nach der Wende erfolgten umfassende Sanierungen. Rund um die Kirche befindet sich ein Friedhof, auf dem auch ein Denkmal für die Kriegsopfer steht.

Dorfkirche in Großdalzig

Die Tellschützer Kirche hat noch einen spätgotischen Turm, das Kirchenschiff ist von 1765. In den Neunzigerjahren konnten denkmalgerechte Sanierungen vorgenommen werden. Umfangreiche Teile der Ausstattung sind barock. Rund um die Kirche befindet sich der Dorffriedhof.
Wollen Sie mehr sehen ? Klicken Sie einfach auf "Älterer Post", und Sie wechseln zur nächsten Seite.
Für die volle Übersicht bitte > hier klicken.