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Lichtenstein

Die Gemeinde Lichtenstein hat ihren Namen von der bekannten Burg. Sie besteht aus den Ortsteilen Unterhausen und Honau im Echaztal sowie Holzelfingen und den Siedlungen Göllesberg und Traifelberg auf der Albhochfläche.

Blick vom Schloss Lichtenstein ins Echaztal

Von Nord nach Süd wird sie von der Bundesstraße 312 durchzogen, die aus dem Großraum Stuttgart über Reutlingen nach Biberach und von dort weiter zur Autobahn 7 bei Memmingen verläuft. Das markanteste Teilstück ist der Albaufstieg bei Honau. Früher befand sich dazu parallel eine Zahnradbahn, die auf der Strecke von Reutlingen nach Münsingen verkehrte. Heute fahren eine Vielzahl an Regionalbuslinien durch Unterhausen und Honau.

Echaztal mit Unterhausen

Unterhausen wurde stark durch die Industrialisierung geprägt. Das ländliche Dorf entwickelte sich rasch zum Arbeiterwohnort. Durch den zunehmenden Kraftverkehr auf der wichtigen Durchgangsstraße kamen Lärm und Abgase hinzu. So gewinnt man heute als Auswärtiger einen trostlosen Eindruck von Unterhausen, und würde nicht vermuten, dass sich abseits der Straße noch einige Besonderheiten verstecken.

Pfarrhaus und Johanneskirche

Unterhausen

Eine große Geschichte hat die Johanneskirche in Unterhausen, deren Ursprünge bereits vor dem Jahr 1000 liegen. Der untere Teil des heutigen Kirchturmes stammt von der Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Sehenswürdigkeit sind hier die um 1430 entstandenen Fresken, welche nach dem Zweiten Weltkrieg neu entdeckt und freigelegt wurden. Sie zeigen Bilder über das Leben des Kirchenpatrons und von Jesus Christus. Das Kirchenschiff wurde größtenteils im Jahre 1585 erbaut.

Die Johanneskirche

Das Gelände ist komplett mit einer Mauer umfasst. Rund um die Kirche befand sich früher ein Friedhof. Heute gibt es hier ein Kriegerdenkmal und das Pfarrhaus in Fachwerkbauweise. Der Bereich um die Kirche ist der älteste in Unterhausen. Ansonsten ist der Ort im engen Tal sehr verbaut. Das heutige Zentrum bilden großflächige Wohnanlagen, die sich entlang der ehemaligen Bahnstrecke nach Honau erstrecken. Dort befinden sich auch Geschäfte, Supermärkte und Banken.

Modernes Zentrum in Unterhausen

Richtung Honau steht in der Ludwigstraße die Erlöserkirche. Sie gibt es schon sehr lange; bis 1931 bildete sie die eigene Kirchgemeinde Oberhausen, bis sie mit Unterhausen vereinigt wurde. Vor dem Bauwerk befinden sich ein Kriegerdenkmal und der Dorfbrunnen. Die Kirche wird nach wie vor zu regelmäßigen Gottesdiensten und Veranstaltungen genutzt. Zu jeder Stunde hört man das Glockengeläut.

Die Erlöserkirche

Dahinter befindet sich das traditionsreiche Alte Schulhaus. Die Umgebung bildet der alte Dorfkern Oberhausens, der noch ländliche Aspekte sowie einige Fachwerkhäuser aufweist. In der Nebelhöhlestraße gibt es noch den alten Friedhof, den man durch ein eisernes Tor betritt. Hinter der Mauerumfassung versteckt sich eine Wiese, auf der die Grabsteine großteils entfernt sind. Dennoch strahlt die Anlage mit den Bäumen ihren Reiz aus.

Auf dem alten Friedhof von Oberhausen

Das Mineralienmuseum Lichtenstein beherbergt eine private Sammlung von Herrn Hinger, die er in über 30 Jahren zusammentrug. In vier Ausstellungsräumen wird eine Vielzahl an Gesteinen präsentiert, die im Rahmen eines Rundganges erläutert werden. Zu den Besonderheiten dieses Museums gehören unter anderem versteinerte Blitze, Vulkangesteine, Sulfide, Silikate, Halogenide, organische Mineralien wie Bernsteine, außerirdische Gesteine wie Meteoriten und Tektite, Quarze, künstliche Mineralien, Meeresbewohner, Fossilien und Prähistorisches. Das Angebot für Kinder ist groß. Diese können sich in der Mineralienecke vergnügen oder in der Schmökerecke stöbern. Die Hintergründe werden mit einer vom Besitzer zusammengestellten Mappe verdeutlicht. Geöffnet ist nur nach Veröffentlichung in der Tagespresse oder vorheriger Terminvereinbarung.

Das Mineralienmuseum

Im Reißenbachtal befinden sich mehrere langgestreckte Wacholderheiden, die typisch für die Schwäbische Alblandschaft sind. Immer entlang des Fußweges zur Nebelhöhle, bieten sich dem Wanderer einige Möglichkeiten, diese zu erkunden. Die große Wacholderheide am Ende des Tales ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Von hier führt der Weg zur 800 Meter hoch gelegenen Hochfläche Won, ebenfalls unter Naturschutz.

Reißenbachtal im Frühling

Oben auf der Alb angekommen, verläuft der Weg weiter zur Nebelhöhle. Sie ist 380 Meter lang, großteils begehbar und nicht minder interessant wie die etwas bekanntere Bärenhöhle. Seit dem 19. Jahrhundert wurde sie kontinuierlich für den Fremdenverkehr erschlossen. In der Nebelhöhle gibt es bilderbuchhafte Tropfsteine. Kleinere Höhlen zweigen ab und können besichtigt werden, eine Lautsprecherbox erklärt verständlich den Hintergrund der einzelnen Stationen.

Eingang zur Nebelhöhle

Die Gaststätte Maultaschenwirt befindet sich direkt neben dem Eintrittsgebäude zur Nebelhöhle. Sie bietet gutbürgerliche, typisch schwäbische Küche und kleinere Snacks sowie Eis zum Mitnehmen. Der Gast kann bei schönem Wetter auf der Außenterrasse Platz nehmen. Parkplätze sind in Kooperation mit der Hauptsehenswürdigkeit Nebelhöhle ausreichend verfügbar.

Gaststätte Maultaschenwirt

Honau

Am Ende des Echaztales liegt der kleine Ort Honau. Früher ein gut besuchtes Ziel für Urlauber und Ausflügler, ist vom alten Charme nur noch wenig übrig geblieben. Dennoch gibt es hier einige überregional bekannte Gasthöfe, ebenso sind Hotels vorhanden. Zur Infrastruktur im Ort gehören auch ein Freibad und das Seniorenzentrum. Die Lage wäre recht reizvoll, wenn der Ort nicht komplett durch den Albaufstieg der B 312 in Beschlag genommen wäre. Die Straße zieht sich einmal hindurch und auf der anderen Seite wieder quer über dem Ort hinauf. So leben die Bewohner ständig mit Lärm und Abgasen, selbst wenn sie keine direkten Anlieger der Bundesstraße sind.

Blick vom Schloss Lichtenstein auf Honau

Gut besucht ist die Olgahöhle mit einer Länge von 170 Metern, davon sind 120 Meter zugänglich. Sie wurde 1874 entdeckt und nach einer württembergischen Königin benannt. Die Höhle besteht aus Kalktuff und enthält auch zahlreiche Tropfsteine. Geöffnet ist von März bis November an jedem ersten Sonntag, Führungen sind möglich.

Die frühgotische Galluskirche steht auf erhöhtem Posten und ist bereits bei der Anfahrt von Unterhausen her sichtbar. Der Turm stammt aus dem 19. Jahrhundert. Um die Kirche herum gelegen ist der Friedhof mit noch einigen erhaltenen Grabsteinen. Von der dortigen Terrasse kann der Besucher in das Echaztal und auf die umliegenden Felsen schauen. An der Außenwand ist eine Erinnerung an die verstorbenen Krieger angebracht. Heute gehört die Gemeinde wieder zum Pfarramt Unterhausen.

Die Galluskirche

Im Wilhelm-Hauff-Museum wird das Lebenswerk des mit 24 Jahren verstorbenen Schriftstellers dokumentiert. Er wurde bekannt als Autor von "Der Lichtenstein" und als Märchenerzähler. Er verfasste populäre deutsche Volksmärchen wie "Zwerg Nase", "Kalif der Storch", "Der kleine Muck" und "Das kalte Herz". Es wurden hier verschiedene Konzepte entwickelt, die sich an Familien, Senioren und Schulklassen, aber auch an Kinder im Allgemeinen richten. Für diese ist eine Spielecke eingerichtet und sie können die Märchenbücher Hauffs anschauen.

Wilhelm-Hauff-Museum

Traifelberg

Unmittelbar am Albtrauf liegt die Siedlung Traifelberg, welche früher auch über eine Bahnstation verfügte. Es sind nur wenige Straßen mit aufgelockerter Bebauung, eine Gaststätte am Ende des Albaufstiegs und landwirtschaftliche Gebäude auf der Seite gegenüber.

Herausragend ist das ehemalige Albhotel und Kurhaus Traifelberg, Pfingsten 1912 neu eröffnet. Es war damals den modernsten Ansprüchen genügend und verfügte über allen möglichen Komfort. Dazu gehörten Zentralheizung, elektrisches Licht, eigene Milchwirtschaft. Die Umgebung war und ist einzigartig. In der Nähe die Traifelbergfelsen und das Schloss Lichtenstein, nicht weit weg von Reutlingen und den Industriezentren. In der Kriegszeit dienten die Räumlichkeiten dem Krankenhaus Reutlingen. Wegen der Gefahr durch Bombenangriffe wurde der Betrieb dorthin ausgelagert. Das Gebäude gibt es noch heute, allerdings mit anderer Nutzung.

Blick auf den Traifelberg (Vordergrund)

Oberhalb von Honau bilden die Traifelbergfelsen eine Kette, die aus Abbrüchen an der Kante des Albtraufs hervorging. Der nördlichste trägt den Namen Sonnenfels und hat die Besonderheit, eine Art Sonnenuhr zu sein. Der vordere Fels wirft um 12 Uhr mittags keinen Schatten. Weitere Eigenheiten lassen sich auf dem Pfad erkunden, der die Felsen vom Traifelberg bis nach Holzelfingen und Unterhausen erschließt. Immer wieder kann man Felsen betreten und Aussichten in das Echaztal und auf das Schloss Lichtenstein genießen. Dies sollte aber mit Vorsicht getan werden, da die Kanten nicht gesichert sind.

Teil der Traifelbergfelsen mit Holzelfingen

Holzelfingen

Das ehemalige Bauerndorf hat sich am meisten von seiner Ursprünglichkeit bewahrt, noch heute wird vereinzelt Landwirtschaft betrieben. Das ist auch kein Wunder, denn die Albhochfläche, auf der Holzelfingen als einziger Lichtensteiner Ortsteil komplett liegt, bietet dazu gute Bedingungen. Hervorragend ausgebaute Wege laden zu Wanderungen und Radtouren ein. Die Sankt-Blasius-Kirche in Holzelfingen ist mittelalterlichen Ursprungs. Sie verfügt über einen spätgotischen Chor und ein öfters verändertes Schiff. Der Turm stammt aus der Zeit um 1700. Besonderheiten sind das Kruzifix auf dem Altar und der großflächig angelegte Friedhof.

Wandern rund um Holzelfingen

Über dem Holzelfinger Tal steht die Ruine Greifenstein. Die Höhenburg wurde im 12. Jahrhundert von den Herren von Greifenstein erbaut und 1311 im Städtekrieg durch die Reutlinger zerstört. Nach dem Verbleiben im Besitz der Württemberger verkam die Anlage immer mehr. Heute sind noch eine Ringmauer und der Burggraben erhalten. Darüber hinaus gibt es die Reste eines Raumes zu sehen. Von der Kante der Innenanlage genießt man eine Aussicht ins Echaztal und auf die umliegenden Berge. Hier befindet sich auch eine Grillstelle.

Ruine Greifenstein

Der Eckfelsen befindet sich im Wald, etwa zwei km entfernt von Holzelfingen entfernt. Seine Höhe beträgt 748 Meter ü. NN. Von dem Felsen hat man ein Panorama auf die gegenüberliegenden Hochflächen der Schwäbischen Alb mit dem Schloss Lichtenstein, die Orte Unterhausen und Pfullingen im Echaztal und den bewaldeten Albtrauf. Eine Ruhebank lädt zu einer Pause ein.

Herbstliches Panorama vom Eckfelsen

An der Straße Richtung Sankt Johann verweist ein Schild am Wanderparkplatz auf das Heutal. Dabei handelt es sich um ein großes Trockental, wie es typisch für die Hochfläche der Schwäbischen Alb ist. Es hat eine durchschnittliche Höhe von etwa 700 m ü. NN., die umliegenden Kuppen erreichen sogar 826 m ü. NN. (Auchtert bei Ohnastetten). Ein gut ausgebauter Wanderweg durchquert es vom Wanderparkplatz bis zur Straße nach Kohlstetten. Auch seltene Pflanzen und Insekten lassen sich beobachten. Für eine Abkühlung gut ist der Wald an den Hängen, den man auf dem Rückweg durchwandern kann. Darüber hinaus ist das Heutal auch ein bekanntes Skigebiet: 2 Schlepplifte, 2 km Pisten und viele Wintersportler aus der gesamten Region sorgen hier in der kalten Jahreszeit für eine Belebung. Die Piste ist mit Flutlicht ausgestattet.

Wanderweg ins Heutal

Auf dem Göllesberg befindet sich die gleichnamige Gartensiedlung. Von Unterhausen führt eine schmale Fahrstraße hier hinauf. Von der anderen Richtung nimmt man am Friedhof in St. Johann - Ohnastetten die Straße zum Stahleck, und von dort die asphaltierte Straße zum Göllesberg. Die Siedlung besitzt wenige Straßenzüge und Häuser, die sich in ausgedehnten Gärten befinden. Göllesberg ist kein alter Ort, sondern wurde in den Sechzigerjahren planmäßig angelegt. Es gibt den überregional bekannten Gasthof Stahleck in der Nachbarschaft. Eine Schulbushaltestelle bietet eine Verbindung ins Tal, ansonsten findet man hier keinerlei Infrastruktur.

Teilansicht vom Göllesberg

Die Siedlung ist von Natur pur umgeben. Eine nicht befahrbare Straße führt durch den Wald zu einem Wanderparkplatz am Rande des Übersbergs. Dort sind Spaziergänge am Segelflugplatz entlang möglich. Auf dem Übersberg gibt es ein Café, das sich großer Beliebtheit erfreut und wo man im Sommer bei Kaffee und Kuchen eine Ruhepause auf der Terrasse einlegen kann. Wer mit dem Auto auf den Übersberg will, muss von Pfullingen hinauffahren.

Schöne Alblandschaft auf dem Göllesberg

Bekannt als Wahrzeichen der Schwäbischen Alb, steht das Schloss Lichtenstein auf einem Felsvorsprung über dem Echaztal. Es wurde von 1840 bis 1842 als schwäbisches Märchenschloss im Auftrag von Wilhelm Graf von Württemberg (späterer Herzog von Urach) erbaut. Man folgt der Straße vom Kreisverkehr beim Traifelberg Richtung Genkingen, und biegt dann im Wald ab. Der Parkplatz und Eintritt in den Schlosshof kosten zwar etwas, dafür strahlt die Anlage einen unverwechselbaren Charme aus. Die Führung dauert nicht lange und ist interessant. Wilhelm Hauff beschrieb das Schloss in seinem gleichnamigen Roman.

Das Schloss Lichtenstein

Das Alte Forsthaus ist ein Restaurant und Waldcafé beim Schloss Lichtenstein. Es bietet regionale und vegetarische Gerichte, Vesper sowie Kaffee und Kuchen an. Außerdem gibt es ein Frühstücksangebot. Auch die Festtage rund um Weihnachten und Silvester kann der Gast hier auf besondere Art genießen. Größere Reisegruppen, Feiernde und Tagungsgäste sind in Räumen für bis zu 100 Personen willkommen. Die Fensterbereiche gewähren ein Panorama auf den Rand der Schwäbischen Alb und das Echaztal. In der warmen Saison sind die Außenterrasse und das Kiosk geöffnet.

Forsthaus Lichtenstein

Unweit des Schlosses befindet sich das Ammonitendenkmal. Es wurde von Wilhelm Herzog von Urach, Graf von Württemberg, gestiftet und 1902 bis 1903 errichtet. Dargestellt sind auf einer Tafel die Gesteine der Schwäbischen Alb. Es wird erklärt, wie sich die hiesige Landschaft bilden konnte. Zum Fuße des Denkmals sind verschiedene Ammoniten integriert.

Ammonitendenkmal

Südöstlich liegt die Ruine Alt-Lichtenstein versteckt im Wald. Dies war ursprünglich die Stammburg der hiesigen Herren, welche in der Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut und 1377 durch die Reutlinger zerstört wurde. Die Stelle kam an Württemberg und verfiel in einen Schlaf, bis die Reste 1990 bis 1995 freigelegt wurden. Heute kann der Besucher die Grundmauern und einen Brunnen besichtigen. Eine Schautafel bietet Informationen und einen Lageplan. Von der Burgterrasse lässt sich ein großartiges Panorama bewundern, doch auch hier ist aufgrund der ungesicherten Felsen Aufmerksamkeit angebracht.

Ruine Alt-Lichtenstein

Lichtenstein ist gewiss kein Ort, der Urlauber für Übernachtungen an sich ziehen kann. Zwar hat die Lage im engen Echaztal ihre Reize, doch sie sorgt am Abend und im Winter auch für reichlich Schatten. Durch Fabriken und neue Wohngebiete sind darüber hinaus viele Abschnitte verbaut. Die lange Durchgangsstraße in Unterhausen und Honau ist keine Vorzeigeadresse und stößt den Auswärtigen eher ab. Dafür kann Lichtenstein mit einer großen Anzahl an Ausflugszielen und landschaftlichen Besonderheiten aufwarten, die sich für einen Kurzbesuch eignen. Die Zielgruppe könnten dabei Bewohner des Großraums Stuttgart wie auch der Region Reutlingen / Tübingen und Urlauber von der Schwäbischen Alb sein.
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