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Zwiefalten

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Film: Das Zwiefalter Münster

Zwischen Alb und Oberschwaben

Zwiefalten ist eine Gemeinde mit 2.000 Einwohnern im Tal der Aach, auf halber Strecke zwischen Stuttgart und dem Bodensee. Die Bundesstraße 312 führt durch den Ort und verbindet die Stuttgarter Region mit der Schwäbischen Alb, Oberschwaben und dem Allgäu. Zwiefalten ist bekannt wegen seines barocken Münsters, das sofort ins Auge fällt, sobald man vom Berg in den Talort fährt. Hier ist heute das Zentrum für Psychiatrie untergebracht. Aufgrund der Klosteranlage, und vieler weiterer sakralen Schönheiten, ist der Ort eingebunden in die Oberschwäbische Barockstraße.

Blick auf das Zwiefalter Münster

Land und Leute

Zwiefalten hat 9 Ortsteile: Der Kernort, Attenhöfen, Baach, Gossenzugen, Mörsingen, Upflamör, Gauingen, Hochberg und Sonderbuch. Der Ort ist der südlichste des Landkreises Reutlingen. Einige seiner Ortsteile liegen zwar auf der Schwäbischen Alb, Zwiefalten selbst befindet sich aber eigentlich schon auf der anderen Seite, welche der Donau und damit Oberschwaben zuläuft. Auch die Religion lässt davon viel verspüren: Zwiefalten ist ein katholischer Ort, wie die ganze Gegend südlich von hier. Noch weiter im Süden des Landkreises liegen die Dörfer Baach und Attenhöfen. Beide weisen sehenswerte Kapellenbauten auf. Wann immer man einen Spaziergang oder eine Wanderung unternimmt, wird man bisweilen auf Bildstöcke und Wegkreuze treffen, die die Bewohner in alten Zeiten als Dank an den Herrn aufstellten. Doch auch heute noch sind die Menschen hier so gläubig, dass sie ab und zu hohe hölzerne Kreuze mit dem Inri aufstellen, meist an besonders schönen Plätzen, wo sich auch eine Ruhepause auf der Bank lohnt.

Marienbrunnen in Baach

Der Menschenschlag, der hier wohnt, ist urschwäbisch. Geben sich manche Schwaben im Reutlinger Raum noch Mühe, dass der andere ihn versteht, ist hier für den Ortsfremden oft die Interpretation verschiedener Wortfetzen von Nöten. Der Hauptort Zwiefalten mit seinem Kloster war schon immer weltoffener, hier wurden Kontakte in alle Welt gepflegt. Doch auf den Dörfern waren und sind die Bewohner meist unter sich. Die Originalität dieser Landschaft ist zweifellos ein Vorteil und übt eine hohe Anziehungskraft auf Ausflügler und Kurzurlauber aus. In den letzten Jahren bemüht sich die Touristinformation Zwiefalten darum, die Urlauber länger im Ort zu behalten. Dabei will man den Besuchern das Typische vermitteln, etwa durch die Bekanntmachung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten oder ein Angebot der regionalen Produkte in Gastwirtschaften und beim Erzeuger.

Blick zum Bussen, den höchsten Berg Oberschwabens

Zwiefalten - ein Ort und die Kirche

Bis 1803 existierte in Zwiefalten das Kloster, das über ein weites Herrschaftsgebiet verfügte, welches bis vor die Tore von Metzingen reichte. Die finanziellen Mittel waren überaus stark, und so erlebte der Ort in früheren Jahrhunderten das Werden eines Zentrums des geistlichen Lebens, der Kunst und Kultur. In der Zwiefalter Chronik aus dem 11. Jahrhundert wurden viele der heutigen Städte und Dörfer der Region zum ersten Mal erwähnt. Der Ort selbst wuchs eigentlich erst, als man in den Klostergebäuden 1812 die königlich württembergische Heilanstalt einrichtete. Mit dieser zogen Bedienstete und Menschen auf der Suche nach Erholung immer wieder in den Ort. 1871 hatte Zwiefalten nach einer Volkszählung bereits 2.045 Einwohner. Zwischen 1890 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lag die Bevölkerungszahl um die 2.500.

Zwiefalten von Gossenzugen aus gesehen

Nach dem Krieg gab es einen erneuten Anstieg, der sich unter anderem aus dem Zuzug von Heimatvertriebenen ergab. So wohnten 1956 in Zwiefalten 3.135 Menschen. Der vorläufige Höchststand wurde 1968 mit 3.251 Menschen erreicht. Danach ging die Einwohnerzahl kontinuierlich zurück, unterschritt 1970 die 3.000er-Marke und konnte trotz Eingemeindungen diese Zahl nie mehr erreichen. Jetzt trat die Landflucht ein, es zog immer mehr Leute in die Städte und gleichzeitig sank die Geburtenrate. Bis 1984 hatte der Ort noch 2.600 Einwohner, und bis zur Wende 1989 nahm wiederum diese Zahl auf 2.300 ab. Zwiefalten hatte keinen guten Ruf mehr, war mehr bekannt wegen seiner Psychiatrie als für das barocke Münster, und lag einfach zu weit entfernt von den wichtigen Dingen des Alltags. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzen konnte man bis 1992 wieder 2.394 Einwohner zählen. Doch bis heute sind trotzdem immer weniger Menschen in Zwiefalten ansässig. Es ist aber keineswegs so, dass sich der Ort nur aufgrund seiner statistischen Einwohnerzahl profilieren müsste. Hier gibt es andere Vorzüge, die die Besucher anziehen, und dazu einladen, gerne wiederzukommen.

Ortseinfahrt der B 312 aus Richtung Riedlingen

Das barocke Münster Zwiefalten ist ein Touristenmagnet

Die Hauptsehenswürdigkeit des Ortes ist die ehemalige Benediktinerabtei mit dem Münster Zwiefalten, die 1089 von Mönchen aus Hirsau gegründet wurde. Burgherren und Grafen aus weiter Umgebung ließen dem Kloster Stiftungen zukommen. Bis zum 15. Jahrhundert gelang es dem Kloster Zwiefalten, sich Macht über einen größeren Einzugsbereich der Schwäbischen Alb zu sichern. Das Münster von 1739 gilt als Meisterwerk des deutschen Spätbarock. Der Baumeister war Johann Michael Fischer. Im Inneren befinden sich Deckenfresken, Stuckarbeiten und Wandtafeln. Besonders sehenswert ist das Chorgestühl von Joseph Christian aus Riedlingen. In den Jahren 1975 bis 1984 wurde das Münster umfassend renoviert und bietet heute einen Platz für Wallfahrten katholischer Glaubensgruppen aus der Region und Konzerte mit geistlicher Musik. Das Gotteshaus erfreut sich auch bei ausländischen Katholikengruppen sehr großer Beliebtheit und wird gerne von ihnen genutzt. So halten Kroaten und Italiener hier alljährliche Wallfahrten und regelmäßige Gottesdienste ab. Das Münster ist ein wichtiger Anziehungspunkt für Katholiken aus dem ganzen Land. Sonntag für Sonntag, und auch unter der Woche, strömen diese in Scharen hierher, um den Ort aufzusuchen. Draußen an der Straße gibt es einen Parkplatz. Von dort aus geht man durch einen Torbogen mit Statuen in den schön angelegten Garten hinein. Hier läuft man noch über einen kleinen Bach und steht dann vor dem Eingangsportal der großartigen Kirche.

Altar des barocken Münsters

Meist sind zwei Eingänge geöffnet. Im Vorraum der Kirche finden immer die Krippenausstellungen statt. Hier kann man sich auch gegen ein geringes Entgelt Publikationen und Postkarten mitnehmen. Durch eine Glastüre betritt der Besucher nun den Kirchenraum. Der Prunk ist weit über die Region hinaus bekannt. Nicht umsonst liegt Zwiefalten an der Oberschwäbischen Barockstraße. Das 1739 erbaute Münster enthält eine Fülle an sakralen Kunstgegenständen. Alles glänzt in Gold und feinen Farben, dazwischen fällt das Licht von draußen in den Raum und verändert diesen je nach Tageszeit.

In der Friedhofskapelle befindet sich das Psychiatriemuseum

Museen für alle Ansprüche

Das Peterstormuseum befindet sich im gleichnamigen früheren Gebäude der Klosterbediensteten, das von 1681 stammt. Es ist ein Heimatmuseum mit den Themen Brauchtum und Volksfrömmigkeit. Weiterhin wird hier über die Geschichte des Klosters und der vielen Wallfahrtsstätten rund um Zwiefalten informiert. In der ehemaligen Friedhofskapelle befindet sich das Württembergische Psychiatriemuseum. Hier gibt es interessante Einblicke in das Psychiatriewesen, die unter anderem mit medizinischen Geräten, Gegenständen und Zeitzeugenberichten dargestellt werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Region um Zwiefalten.

Das Höhenfreibad in exponierter Lage

Höhenfreibad Zwiefalten

Sehr bekannt und unverwechselbar ist das Höhenfreibad Zwiefalten am südlichen Ortsausgang. Es verfügt über einen Sprungturm und Wasserrutschbahn. Auch bietet es Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken, eine große Liegewiese und einen Kiosk mit Snacks und Getränken.

Landschaft erleben im Aachtal

Bestens geeignet für eine Halbtageswanderung ist das Aachtal. Dazu verlässt man Zwiefalten am Münster Richtung Gossenzugen und bleibt auf dem Fußweg parallel zum Flüsschen Aach. Der nächste Ort ist ein ganz urtümlicher, wo es Gelegenheit zur Rast in einem Café gibt. Man verlässt Gossenzugen und überquert eine Brücke.

Idyllisches Aachtal bei Gossenzugen

Danach geht es in einen Wald, wo sich eine Forellenzucht befindet. Verschiedene Felsformationen am Rande des Weges lassen aufblicken. Der Zielpunkt ist letztendlich die Wimsener Höhle, die einzig aktive und befahrbare Wasserhöhle Deutschlands. Hier setzen Fährmänner den Besucher auf 70 Metern Länge im Stocherkahn hinein und erklären dazu Details zur Entstehung und Geschichte. Die Höhle, welche als Naturdenkmal gilt, ist insgesamt 725 Meter lang. Führungen in der Wimsener Mühle sind nach Voranmeldung möglich.

Nicht weit vom Aachtal entfernt findet man den Lorettohof. Die Landwirtschaft bietet einen bekannten Hofladen, eine Gartenwirtschaft im Schatten einer Linde und eine über 300 Jahre alte Kapelle nach einem Vorbild aus der mittelitalienischen Stadt Loreto. Bei klarer Wetterlage hat man einen Ausblick über Oberschwaben bis zu den Alpen.

Kapelle auf dem Lorettohof

Wanderungen rund um Zwiefalten

Die Touristinformation hält auf ihren Internetseiten eine Reihe von Wandervorschlägen bereit. Eine Möglichkeit ist die Route Zwiefalten-Buchbach-Attenhöfen-Baach. Sie ist 7 km lang, hat einen Höhenunterschied von 70 m und benötigt etwa 2 Stunden Wanderzeit. Hier trifft man auf die Kapelle in Attenhöfen, dem südlichsten Ort des Landkreises Reutlingen, den Blick zum Bussen, Hausberg Oberschwabens, und den Marienbrunnen mit Madonna sowie die Kapelle in Baach. Eine weitere Wegstrecke führt über Zwiefalten-Tautschbuch-Mörsingen-Zwiefalten. Diese ist 12,5 km lang, hat einen Höhenunterschied von 180 m und die Wanderzeit beträgt etwa 3,5 Stunden. Hier genießt man Natur pur und die Idylle des kleinen Dorfes Mörsingen.

Prälatenweg mit Blick ins Aachtal

Abschalten in einer anderen Welt - in Upflamör

Das Dörfchen Upflamör liegt 7 km südwestlich von Zwiefalten und hat um die 90 Einwohner. Es ein intaktes, ländliches Straßendorf, wo man kaum Autos findet, dafür ab und zu mal einen Traktor und im Sommer auch Fahrradfahrer und Biker. Hier gibt es die Dorfkirche Upflamör. Es handelt sich um einen mittelalterlichen Saalbau mit Turm, welcher 1587 mit einem Glockengeschoss ergänzt wurde. Im Inneren befinden sich die barocke Madonna und weitere Figuren. Läuft man die Hauptstraße vor, hat man eine wunderbare Aussicht in diese idyllische Alblandschaft. Auf freiem Feld dort auch der Wasserturm, der ab und zu seine Aussichtsplattform für Besucher öffnet. Im Wald hinter Upflamör ist wohl einer der ältesten Siedlungsreste dieser Gegend zu finden: die Heuneburg. Sie ist eine keltische Wallanlage aus dem 7. bis 5. Jahrhundert v.Chr. Die gesamte Fläche beträgt 4,5 Hektar. Möglich ist auch eine spätere, mittelalterliche Neubesiedlung. Vor Ort kann die Heuneburg begangen werden, und auf Tafeln sind Informationen angebracht.

Dorfkirche in Upflamör

Fasnet in Zwiefalten

Beim Rällesprung dreht sich alles um Kloster-Rälle und Zwiefalter Hansel, den Teutschbuch-Gockel und den Gauinger Bär. Er ist das traditionelle Fest der schwäbisch-alemannischen Fasnet in dieser Gegend und findet am Faschingssonntag statt. Der ganze Ort wird dabei von einem närrischen Treiben erfüllt, und Fasnetsvereine sowie Besucher reisen aus weiter Umgebung an.

Übernachten in und um Zwiefalten

Gegenüber des Münsters befindet sich der Gasthof Post mit einem Hotel. Der Garten verfügt über Forellenteich, Liegewiese und Grillplatz und grenzt an die Aach. Im Haus Aachtalblick macht der Gast in der Straße Urlaub, die ihren Namen vom "Bussenblick" hat. Die Besitzerin ist zugleich Alb-Guide und macht geführte Wanderungen. Im Nachbarörtchen Gossenzugen liegt die Ferienwohnung Stiehle. Sie lädt zu Wanderungen im Aachtal oder ins 1 km entfernte Zwiefalten ein. Ruhig und gemütlich hat es der Gast in der Radlerherberge in Zwiefalten-Baach. Es handelt sich um ein renoviertes altes Fachwerkgebäude mit 5 Doppelzimmern, 1 Einzelzimmer und 1 Ferienwohnung mit 4 Betten. Die Herbergsstube mit angrenzender Gartenwirtschaft verfügt über 30 Plätze. Im gleichnamigen Teilort befindet sich das Ferienhaus Upflamör. Es wurde vom Kloster Zwiefalten erbaut und von 1954 bis 2003 als Schullandheim des Landkreises Biberach genutzt. Heute erstrahlt das Innere des Selbstversorgerhauses in bunten Farben und ist ganzjährig für Gruppen bis zu 40 Personen geöffnet. Direkt neben dem Höhenfreibad liegt der Jugendzeltplatz. Er ist in eine schöne Natur eingebettet und erlaubt die kostenlose Nutzung des Freibades und seiner sanitären Anlagen.

Gut essen in der Klosterbräu-Gaststätte

Daher rührt auch das touristische Angebot in Zwiefalten. Es gibt eine gute Auswahl an Gasthäusern und Geschäften. In der näheren Umgebung sind weitere Ausflugsziele ausgewiesen und daher ist Zwiefalten tauglich für einen Tagesausflug.
Alles liegt weitab von der großstädtischen Hektik, und ist doch gut erreichbar. Der Ort lebt von dem Kloster und der darin befindlichen Klinik, aber ist doch mit der Zeit so gewachsen, dass sich eine eigenständige Infrastruktur halten kann. Die Stimmung in Zwiefalten orientiert sich sehr an diesen Dingen.
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