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Groitzsch

Die Nähe zur Natur

Groitzsch liegt 25 km südlich von Leipzig und 20 km nordöstlich von Zeitz im Dreiländereck Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die Stadt befindet sich am Rande der Leipziger Tieflandsbucht in einer Aue, die von den Flüssen Weiße Elster, Schnauder und Schwennigke gebildet wird.

Die Gegend ist geprägt von den flachen Landschaftsformen, wie sie in der Norddeutschen Tiefebene vorherrschend sind. Hier geht die Ebene allmählich zur Mittelgebirgsschwelle über, was man an leichten Anhöhen im ganzen Stadtgebiet bemerkt. Die Umgebung von Groitzsch ist besonders um die Ortsteile von der Landwirtschaft bestimmt, sehr große Felder und Wiesen beherrschen diese Gegend. Dazu gibt es Baumreihen und kleinere Wälder. Ein nennenswertes Gewässer im Stadtgebiet ist der Großstolpener See. Der Tagebau früherer Jahre wirkte sich stark auf manche Bereiche aus und hat dort große Löcher in die Landschaft gerissen.

Der Wasserturm ist das Wahrzeichen der Stadt

Geschichtlicher Rückblick

Groitzsch ist eine sorbische Gründung, der erste belegbare Name lautet „Groisca“. Die ältesten Funde im Stadtgebiet gehen bis auf 4000 v. Chr. zurück. Archäologische Feldbegehungen und Ausgrabungen im westsächsischen Raum lassen den Schluss zu, dass sich hier eines der Kerngebiete germanischer Besiedlung in Sachsen befand. Man geht von einer hohen Wohndichte ab der Ur- und Frühgeschichte aus, wobei die ältesten Ursprünge noch zu wenig erforscht sind. Es ist anzunehmen, dass römische Funde, wie sie mit Fibeln, Münzen und Terra Sigillata gemacht wurden, von den Germanen importiert wurden. Später gehörte Groitzsch zum Einzugsgebiet thüringischer Stämme.

Im 7. Jahrhundert wanderten Slawen in dieses Gebiet ein, die in den Quellen als Sorben erscheinen. Zahlreiche Namen weisen auf vorslawische Ursprünge hin, sodass eine gewisse Zeit, bis ins 8./9. Jahrhundert, mit dem Fortbestand thüringischer Siedlungen gerechnet werden kann. Im Zuge der frühmittelalterlichen Ostkolonisation wuchs die Bevölkerung um eine neue Welle von Siedlern aus Thüringen und dem Fränkischen Reich an. In der Stadtgeschichte finden sich aber auch Spuren einiger jüdischer Bewohner, unter anderem als Besitzer einer Schuhfabrik.

Der Markt mit Gründerzeitrathaus (links)

Die Stadt wurde 1039 in den berühmten „Pegauer Annalen“ erstmals erwähnt. In dieser Zeit hatte sich bereits eine Ansiedlung gebildet, die unter dem Schutz einer Burg stand und vom Handel lebte. Im Jahre 1214 erhielt Groitzsch das Stadtrecht. Die Anlage der Straßen rund um Kirche und Markt lässt wesentliche Grundzüge mittelalterlicher Stadtplanung erahnen.

Seit dem ausgehenden Mittelalter blühte in Groitzsch das Schuhmacherhandwerk, was auch neue Einwohner anlockte. Die Handwerker schlossen sich in Zünften zusammen und fuhren zur Leipziger Messe, um ihre Waren feilzubieten. So kam der Ort zu Ruhm und Reichtum, während es aber auch viele Leute gab, die arm blieben. 1513 zerstörte ein Brand die Stadt und die alte Kirche Sankt Aegydius, von der heute noch der Turm erhalten ist, der als Museum dient.

Das Groitzscher Postamt

Im 19. Jahrhundert wurden viele Fabriken gebaut und es erfolgte eine großzügige Erweiterung der Stadtanlage, aus dieser Phase stammen viele der heute noch erhaltenen Gründerzeithäuser. 1874 erhielt der Ort einen Anschluss an das Eisenbahnnetz über die Strecke Gaschwitz–Groitzsch–Meuselwitz. Im Zweiten Weltkrieg beschädigten Bomben unter anderem den Bereich um den Bahnhof schwer. Am 14. April 1945 marschierten amerikanische Truppen ein, die bis zum 30. Juni blieben. Danach besetzten russische Truppen die Stadt. Im Jahr 1989 beging Groitzsch seine 950-Jahr-Feier. Im Jahr 1996 wurde die Verwaltungsgemeinschaft aus den vier Gemeinden Auligk, Audigast, Berndorf, Großstolpen eingemeindet.

Arkadenhaus in der Breitstraße 16

Kirchen in Groitzsch

Groitzsch hat ein vielfältiges Kirchenleben und mehrere Kirchengemeinden. Die meisten Glaubensangehörigen sind Mitglied der Evangelisch-lutherischen Kirche. Während die Stadt mit Pödelwitz und Audigast eine Gemeinde bildet, gibt es auch eine eigene Pfarrei für Auligk, Gatzen und Michelwitz. Der Ortsteil Hohendorf gehört zum Kirchspiel Regis-Breitingen. Die Katholiken besuchen die Gottesdienste der Heilig-Geist-Gemeinde in Zwenkau, und auch die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist in Groitzsch vertreten.

Die Stadtkirche hat den Namen Frauenkirche und ist ursprünglich romanischen Ursprungs. Sie wurde in den Jahren 1883/84 zuletzt umgebaut und mehrfach renoviert. Bis 2007 erfolgte die Sanierung des gesamten Dachstuhls und Innenraumes. Daneben befindet sich der Friedhof, der von hohen Bäumen und dem Groitzscher Burgberg umrahmt wird.

Sehenswürdigkeiten

Die Frauenkirche

Stadt


Das Wahrzeichen der Stadt ist der 1903 / 04 errichtete Wasserturm. Das 45 m hohe Bauwerk aus Stahl wird bis heute genutzt. Einen Rundgang startet man am Besten am neu gestalteten Marktplatz mit seinen Stadthäusern, dem Rathaus und der Traditionsgaststätte Weißes Roß. Unweit davon findet der Besucher das Heimatmuseum am Stadtturm, untergebracht in einem Rest der ehemaligen Stadtkirche St. Aegydius aus romanischer Zeit, der früher als Gefängnis diente. Hier wird der Öffentlichkeit eine Reihe von heimatgeschichtlichen Ausstellungen gezeigt. Thematiken sind der Turm selbst, die Stadtgeschichte, aber auch die Wiprechtsburg.

Turm der Stadtkirche St. Aegydius

Im Gebiet des alten Stadtkerns wurden leider bereits viele Häuser abgerissen und moderne Bauten errichtet. Bei einem Bummel durch die Gassen hinter dem Turm kommt man zur Stadtmühle am Schnaudermühlgraben. Die Ersterwähnung stammt aus dem 12. Jahrhundert, das heutige Gebäude wurde 1803 erbaut und nach dem Brand 1930 neu errichtet. 1985 ging die Mühle außer Betrieb und wurde ab 1999 von der Stadt modernisiert. Seit 2000 dreht sich das Mühlenrad wieder. Auf über 100 qm finden auf zwei Etagen wechselnde Ausstellungen statt. Auf einer Anhöhe am westlichen Rande des Stadtkerns steht schließlich die Frauenkirche, ebenfalls romanischen Ursprungs und mehrfach umgebaut und renoviert.

Stadtmühle Groitzsch

Wiprechtsburg

Auf dem Burgberg stand vormals die Wiprechtsburg von Graf Wiprecht von Groitzsch. An den Hängen wird in letzter Zeit wieder Weinbau betrieben, dazu sind für den Besucher Infotafeln aufgestellt. Von der Burg selbst sind nur noch spärliche Reste zu sehen, die aber mehrfach archäologisch untersucht und 1936 als Bodendenkmal unter Denkmalschutz gestellt worden sind. Früher befand sich hier auch ein gut besuchtes Ausflugslokal. Auf dem Gelände gibt es heute eine Freilichtbühne für Veranstaltungen und ein Flursteinlapidarium mit einer Sammlung von etwa 40 Flur- und Grenzsteinen, die teils aus abgebaggerten Orten der Umgebung stammen.

Ruinen der Wiprechtsburg

Umland

Sehenswert sind auch die Auen der Weißen Elster und das Naturschutzgebiet Pfarrholz. Die 154 m ü.NN. hohe Erhebung Dreilindenberg bei Wischstauden bietet eine gute Aussicht. Die Umgebung wird durch ein Netz an Wander- und Radwegen zunehmends besser erschlossen. Hier sind Ausflüge in die Nachbarstadt Pegau und in die kleinen Dörfer zwischen Groitzsch, Zeitz und Lucka möglich, wo zahlreiche historische Bauerngehöfte und Fachwerkhäuser stehen. Bei Hohendorf befinden sich ein geologischer Lehrpfad und der Pfad des Baumes, der zum 171 m ü.NN. hoch gelegenen Neuen Geyersberg führt. Auch Tagebauaussichtspunkte wie der bei Maltitz, im Revierpark Profen und an der B 176 bei Neukieritzsch bieten einen guten Rundumblick.

Naturschutzgebiet Pfarrholz im Winter

Zwischen Groitzsch und Lucka liegt der Ortsteil Maltitz. Wenig südwestlich davon befindet sich das Dreiländereck von Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Es ist durch den Dreiherrenstein markiert. Hier liegt auch ein großer Windpark.

Darüber hinaus kann am Großstolpener See, etwas östlich der Kernstadt, gebadet und gewandert werden. Weitere zum Sächsischen Seenland gehörende Gewässer in der Umgebung sind der Haselbacher See, das Speicherbecken Borna und der Werbener See. Eine Reihe von Seen in der Nähe befinden sich in Flutung und werden in den nächsten Jahren zu Erholungsgebieten entwickelt. Erwähnenswert ist hier besonders der Zwenkauer See.

Dreiherrenstein bei Maltitz

Anbindung

Durch Groitzsch führt die B 176 und durch die Ortsteile Kobschütz und Audigast die B 2. Die neue Bundesautobahn 38 ist ca. 15 Kilometer entfernt. Während bis in die Neunzigerjahre noch ein eigener Bahnanschluss bestand, befindet sich heute der nächste Bahnhof in Pegau (ca. 5 Kilometer), mit Anschlüssen nach Leipzig und Gera über Zeitz. Des Weiteren gibt es eine ÖPNV-Verbindung per Bus, z.B. die Linie 100 von Leipzig über Zwenkau nach Groitzsch. Der Flughafen Leipzig/Halle ist ca. 42 Kilometer entfernt, der Flughafen Altenburg etwa 40 Kilometer.
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